„Hey baby I’m not your superhuman“

Frohes neues Jahr, oder so ähnlich.

Gerade habe ich den Punkt erreicht, an dem ich einfach nur noch auf dem Boden liegen und an die Decke starren möchte. Ich sehe einen Berg an Dingen vor mir und anstatt motiviert eins nach dem anderen abzuhaken, stehe ich hier und verfalle in Schockstarre. Und fühle mich schlecht darüber.

Seit vorgestern bin ich bei nur noch 1 mg Escitalopram und hoffe inständig, dass mein Therapeut mich nicht vergisst. Da sollte doch bald der Anruf kommen für die letzte Sitzung. Bitte schnell. Gerade ist so der Moment, in dem ich aufrichtige Zweifel habe, ob ich es ohne Medikament und Therapie schaffen kann. Okay, ohne Therapie vielleicht, aber ohne das Medikament…? Soll diese „Stimmung“, die sich seit Tagen Stück für Stück einstellt, wieder vollkommen zurück sein und bleiben? Ich kann so nicht arbeiten.

Gerade sollte ich am besten Tag und Nacht damit verbringen, meine Doktorarbeit zu schreiben, aber ich sitze an meinem Büroplatz und starre, seufze, spiele vor mich hin. Obwohl die Deadline für das erste Kapitel schon fast greifbar ist, kann ich mich gerade dazu aufraffen, mit der Formatierung rumzuspielen. Vielleicht war es doch keine gute Idee komplett runterzudosieren, wenn mein Abschluss vor der Tür steht, und ich noch einmal alles aus mir rausholen muss.

Es ist irgendwie so überwältigend gerade. Die Doktorarbeit muss geschrieben werden, und das besser gestern als heute. Ich muss mich um einen neuen Job kümmern, damit ich ab Mitte Mai nicht für lange Zeit arbeitslos dastehe. Ich muss… nein, die anderen Dinge, die meine Zeit beanspruchen, muss ich nicht tun. Aber ich möchte sie tun, da sie mich aufrecht halten.

Vielleicht sollte ich mir doch mal ein Buch über Motivation und Zeitmanagement zulegen. Vor allem Motivation. Wie ich mir selbst vorgaukeln kann, dass mir Spaß macht, was ich machen sollte. Wie ich generell Spaß empfinden kann. Der Satz zieht mich jetzt noch weiter runter.

Zusammengefasst. Ich bin matt, schwach, dünnhäutig, mache nicht, was ich soll, und flüchte mich in Fanfiction-Welten.

 

Titel aus „Idle Worship“ von Paramore

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„the end is just a point where it starts again“

Generell wird die zweite Dezemberhälfte als Zeit der Andacht gehandelt. Man solle zurückblicken und sich darauf besinnen, was wirklich wichtig sei im Leben. Nun denn. Zeit zum Nachdenken hatte ich genug zwischen den Jahren. Ich hatte keinen persönlichen Kontakt zu irgendwem, und auch sonstige Kommunikationswege wurden auch nur recht spärlich benutzt. Ich hatte  eine Woche ganz für mich allein und zum Nachdenken.

Jetzt, da es keine 11 Stunden mehr bis zum neuen Jahr sind, und ich wieder Silvester allein verbringen „muss“, stellt sich mir die Frage, warum überhaupt so ein großes Aufheben um diese eine Nacht gemacht wird. Ich nehme mich davon nicht aus, für mich war und ist Silvester weitaus wichtiger als Weihnachten. Das liegt vermutlich daran, dass Silvester irgendwie das Weihnachten für Freunde ist. Es macht mich traurig, das neue Jahr ohne Menschen, die mir wichtig sind, zu beginnen. Vermutlich versuche ich daher jetzt auch den ganzen Trubel um diese Nacht wegzurationalisieren.

Warum wird dies so groß gefeiert? Es ist die ganze Philosophie des Neubeginnens, die alle in Euphorie versetzt. Das alte Jahr geht, ein Jahr, dass einen immer furchtbar behandelt hat (jedes Jahr auf’s Neue), was vor einem liegt ist ein unbeschriebenes Blatt, das einem alle erdenklichen Möglichkeiten offen lässt. Und das ist eigentlich der Punkt, an dem jeder halbwegs vernunftsbegabte Mensch erkennen dürfte, dass die Menschheit sich da einfach selbst etwas vormacht.

Morgen, am 1.1.2018, werden 99,999% der Menschen immer noch in der gleichen familiären, beruflichen, körperlichen, sozialen Situation sein wie am Vorabend auch. Im Grunde werden alle guten wie schlechten Sachen postwendend mit ins nächste Jahr genommen. Da ist nichts mit „clean slate“ und „tabula rasa“. Es wird nicht irgendwo im Universum auf einen Knopf gedrückt, der alles bisher geschehene nichtig macht.

Vielen Menschen ist das allerdings bewusst, wobei dann die guten Vorsätze ins Spiel kommen. „Dieses Jahr wird alles anders!“ werden sie plakatieren. (Ex-)Studierende kennen das vielleicht noch mit „dieses Semester wird alles anders!“ und wissen auch, wie gut das immer funktioniert hat. Ich schließe mich da mit ein. Und dann wird zum nächsten Jahr/Semester derselbe Vorsatz noch einmal gefasst, da man schon nach drei Wochen eingeknickt ist, und dann alles hingeworfen hat in Frustration.

Jeder Tag ist ein Jahresbeginn. 365,25 Tage später ist man genau wieder an dem Punkt in der Erdumlaufbahn angekommen. Unter diesem Aspekt ist Silvester/Neujahr nicht anders als jeder andere Tag auch. Der Mensch hat sich den Kalender so geschaffen, wie er jetzt ist. Vor einigen hundert Jahren waren es nur zehn Monate statt zwölf. Dieses ganze System ist nichts festes, es ist rein menschgemacht. Es ist im Grunde purer Zufall, dass heute 2017 endet, und nicht schon vor 25 Tagen oder erst in 67 Tagen.

Aber diese kleine Änderung in der Jahreszahl erweckt den Eindruck etwas völlig neuen und unberührten. Vielleicht habe ich deshalb noch nie etwas von den guten Vorsätzen gehalten. Mal davon abgesehen, dass Vorsätze nur Schall und Rauch sind, ihr ganzer Tonus ist lediglich „Ich möchte/versuche/werde“. Was es braucht, sind mehr „ich mache“.

Was ich im Endeffekt sagen will: Silvester ist wie jeder Tag auch, nur mit mehr (menschgemachtem) Hype und (menschgemachtem) Feuerwerk. Um etwas Neues zu beginnen braucht es diesen Ritus nicht, sondern lediglich Willen und Durchhaltevermögen. Das Universum schert sich einen Dreck darum, welchen Tag wir heute oder morgen nach unserer Zeitrechnung schreiben.

 

Titel aus „Circles“ von Jenix

„Tage im Kalender schwärzen, bis die Augenränder schmerzen“

„Mein Visier ist beschlagen, Kopf und Kragen fragen jeden Tag wie’s mir wohl gehen mag. Ich sage nichts, schließ die Augen, atme ein, zähl bis zehn, atme aus, Augen auf. Wie soll es mir schon gehen?“

Es wird langsam auffällig, wieviel Jennifer Rostock ich hier zitiere. Aber wenn es nun mal stimmt?
Ich mag Weihnachten nicht. Es hatte seinen Zauber spätestens dann verloren, als an Heiligabend nur noch meine Mutter und ich am Tisch saßen, und mir aber schon bewusst war, wie sehr mich ihre Anwesenheit stört. Vor allem an diesem Abend war es immer eine unglaubliche emotionale Belastung für mich. Es war immerhin Heiligabend, da konnte ich mich nicht direkt nach der Bescherung in mein Zimmer zurückziehen und sie alleine auf der Couch sitzen lassen. Und so musste ich irgendwie die Zeit mit ihr rumbringen, bis es angemessen war, ins Bett zu gehen. Im Grunde stand ich den ganzen Abend unter Spannung und habe hilfesuchend zur Uhr geschaut. Die Uhr war doof und wollte nicht helfen.
Alle Jahre wieder. Glücklicherweise bin ich im Grunde nicht lange mit ihr allein. Vielleicht geht es erstmal zu meinem Opa, sobald sie mich vom Bahnhof aufgelesen hat, dann gibt es halt das übliche Weihnachtsprozedere. Am nächsten Tag geht es mittags bereits Essen mit meiner Tante und ihrem Mann (noch so jemand, den ich nicht um mich brauch), danach werde ich bei meiner besten Freundin abgeliefert, von der aus ich am nächsten Morgen auch schon wieder nach Hause aufbreche. Also nicht mal 48 Stunden in der Heimat. Grund für diesen Blitzaufenthalt ist zum einen, dass ich die Katzen nicht länger als das allein in der Wohnung lassen kann, und zum anderen dachte ich zum Buchungszeitpunkt ja, ich würde auch noch mit JH ein bisschen Weihnachten verbringen. Der Punkt hat sich ja erledigt.

Gestern war ein sehr seltsamer Tag an der Arbeit. Generell war diese Woche schon seltsam, da mit jedem weiteren Tag immer weniger Leute da waren, und es gestern nun fast komplett ausgestorben war. Es war eine sehr seltsame Atmosphäre, zumindest für mich. Als ich gehen wollte, wurde ich auf einmal von einer riesigen Welle der Traurigkeit überrollt, die sich fast schon final anfühlte. Als wäre es kein Abschied bis nächstes Jahr, sondern für immer. Dann packte mich die Angst, ob ich hier gerade eine Vorahung habe und den 2.1.2018 nicht mehr erleben werde. Es war einfach alles sehr gruselig auf einmal.

Mir geht zur Zeit viel im Kopf rum, und davon ist leider wohl nur ein geringer Bruchteil das, mit dem ich mich wirklich beschäftigen sollte (*hust* Doktorarbeit *hust*). JP ist so präsent, dass ich es nicht mal mehr als „im Hinterkopf“ bezeichnen kann, das Grauen vor Weihnachten, die Unzufriedenheit, dass ich mich nicht für meine Arbeit aufraffen kann, und so manche Sachen, die ich bisher gar nicht in Worte fassen kann. Meine Escitalopram-Dosis ist ab Dienstag bei 2 mg, theoretisch sollte am 23.1. mein erster Tag ohne Medikament sein – nach über 2,5 Jahren. Und ich warte sehnsüchtig darauf, dass mein Therapeut sich wegen der letzten ausstehenden Sitzung meldet.

Zusammengefasst könnte man sagen, dass  es mir gerade nicht so schlecht wie zum Zeitpunkt des letzten Eintrages geht, aber die Schwere in der Brust ist immer noch da. Jetzt ist es war kein weißglühender Wutball mehr, dafür aber ein schwarzer Ball aus Blei. Vielleicht bringt mir ja das nächste Jahr eine frei Brust und freien Atem.
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Meine lieben Leser,
da ich mich vermutlich zwischen den Jahren irgendwie verkriechen werde (es sei denn, es passiert etwas so wichtiges, dass ich einfach schreiben muss), möchte ich mich bei allen für ihre lieben Kommentare und ihre Unterstützung dieses Jahr bedanken. Ich wünsche euch allen ein möglichst angenehmes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue und hoffentlich bessere Jahr. Wir schaffen das schon irgendwie, haltet die Ohren steif!

Eure Sabrina

 

Titel aus „Baukräne“ von Jennifer Rostock
Anfangstext aus „Du nimmst mir die Angst“ von Jennifer Rostock

„In meinem Kopf macht’s tick tick“

Da ist er, ein Tiefpunkt. Hallo Kleiner, lange nicht mehr gesehen. Mensch, bist du groß geworden!

Da war er. Der Punkt, an dem ich dachte, dass ich nach Hause fahre, weil meine Psyche gerade irgendwo unterm Kellergeschoss hängt. Alles fällt wieder einmal wunderbar zusammen.

  1.  Ich vermisse JH. Ich frage mich wirklich, ob es eine Fehlentscheidung war, mich von ihm zu trennen. Die Gefühle scheinen ja doch irgendwie noch da zu sein, sonst würde ich ihn ja jetzt doch nicht vermissen. Oder ich leide einfach, weil ich weiß, dass er leidet und zu allem Überfluss noch wegen mir? Wenn ich jetzt wieder auf ihn zukommen würde, würde er mich mit offenen Armen willkommen heißen, ich weiß. Auf kurze Sicht schön, aber auf lange Sicht, würde sich doch nur alles wiederholen und ich würde ihm ein zweites Mal das Herz brechen. Das will ich uns beiden nicht noch einmal antun. Deswegen muss ich jetzt stark sein und die Konsequenzen meiner Entscheidung aushalten. Auch wenn es mich quält.
  2. JP spukt auch wieder seit geraumer Zeit in meinem Kopf rum, da ich mitbekommen habe, dass sie meine Instagram-Stories ansieht.  Wieder musste ich so viel an sie denken. Dann hat sie am Samstag meinen einen Post mit einem Herz versehen, wovon sie ja definitiv weiß, dass ich das mitbekomme. Ich bekam so viel Kopfkino, habe so viel über sie nachgedacht. Ich hab die Reißleine gezogen und sie auf Instagram (das letzte Kontaktmedium, das wir noch hatten) blockiert. Heute Vormittag dann habe ich die Blockierung wieder aufgehoben, weil so ein dämlicher Teil von mir dachte, das wäre eine gute Idee. Im Zuge dessen habe ich dann gesehen, dass sie mich wohl in Retoure blockiert hat. Und daraufhin kam der Sturz ins Loch. Weil ich immer noch nicht mit „Zurückweisungen“ von manchen Menschen umgehen kann, wie’s scheint.
  3. Meine Mutter war übers Wochenende da. Ich glaube, ich muss nicht weiter ausführen, was das für ein Stress und eine Zerreißprobe für mich ist/war.
  4. Ich hab meine Tage.

Jetzt sitze ich hier an meinem Platz mit Kopfhörern inklusive „Kirchenatmosphäre“ auf den Ohren und überlege, ob ich die nächsten Tage nicht einfach daheim bleiben soll. Ich will wirklich nichts mehr außer herumliegen und an die Decke starren. Und warten, dass es vorbeigeht.
Das passt so super, dass morgen meine Escitaopramdosis wieder um eins runtergesetzt wird auf 3 mg. Ich will meine Therapie. Ich will, dass all diese Gefühle endlich mal die Klappe halten. Für immer.

 

Titel aus „Ich kann nicht schlafen“ von Amanda

„Diese scheiß Wut, Weißglut, brennt wie ein Geschwür“

„Ich nehm‘ die letzte Bahn, wieder diese Strecke fahren
Zuhause Decke über’n Kopf und an die Decke starren
Der Schlüssel steckt, ich sperr dich aus, doch es ist zu spät“

Flucht. Freie Flucht nach vorn. Oder nach hinten? Ich weiß es nicht mehr, weiß nicht wo was ist. Das einzige, was ich weiß, ist, dass ich weg muss. Es hallt in meinem Kopf.

Weg. Weg. Weg.

Ich fühle mich wie ein in die Ecke gedrängtes Tier. Alles prasselt auf mich ein. Keiner hört das Jaulen. Ich kauere. Zittere. Nicht vor Angst, sondern vor Anspannung und Wut.

Weg. Weg. Weg.

Bald schnappe ich um mich. Beiße. Zerreiße.
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Warum bin ich nur so wütend geworden? Ich habe 25 Jahre meines Lebens keine Wut empfunden, habe alles entweder mit Gelassenheit oder Demut über mich ergehen lassen. Jetzt glüht seit ca. zwei Wochen ein weißer Zwergstern in meiner Brust, der mich fast in den Wahnsinn treibt. Ich fühle mich wie ein Seil, dass kurz vorm Reißen ist. Jeder sich dämlich anstellende Passant könnte mich zum Platzen bringen.

Auch macht meine Vorstellungskraft, was sie will. Ich konnte mir ja schon immer  blitzschnell vorstellen, wie eine Situation maximal schlimm werden kann, aber ich habe es als simple Vorstellung erkannt. Jetzt gerate ich so in diese potentielle Situation rein, dass es sich anfühlt, als wäre sie schon geschehen. Und irgendwann erreiche ich den Punkt, an dem ich es auch glaube. Auf einmal kann ich mir richtig professionell selbst Sachen erfinden und sie als Wahrheit akzeptieren. Leider passiert das momentan nur mit Dingen, die mich furchtbar wütend machen, sodass dieser Zwergstern wächst und wächst und ich am liebsten um mich schlagen würde. Permanent. Einfach mit wild rotierenden Armen durch die Gegend laufen.

Es ist alles zu viel. Ich will einfach nur weg. Lasst mich bitte einfach nur liegen und die Welt ausblenden. Ich pack es gerade nicht mehr.

Wir fahren gerade meine Escitalopram Dosis in 1 mg Schritten (alle zwei Wochen) von 5 mg runter auf 0. Vor zwei Wochen habe ich meinem Psychiater noch gesagt, dass wir nicht noch den Winter abwarten müssten, da ich mich echt stabil finde und auch die Dunkelheit mir nichts ausmacht. Jetzt hätte ich gerne wieder meine Originaldosis von 10 mg. Ich habe Angst, außer Kontrolle zu geraten. Dass ich ein Haufen aus Wut und vielleicht auch aus Depression werde. Und dann ist da noch diese Sache mit dem erfundene Situationen für wahr halten.

Ich möchte zurück in die Therapie. Ich möchte von Herrn K hören, dass mein Empfinden Sinn macht und woher es kommt.

Gewissheit. Ruhe. Bitte.

Meine Synapsen feuern wild und ich kann nichts außer die Hände auf die Ohren pressen und mich einrollen. Was natürlich gar nichts bringt. Und zum ersten Mal in sehr sehr langer Zeit, möchte ich mein Blut sehen.

 

Titel aus: Jennifer Rostock – In den Sturm
Text am Anfang aus: Jennifer Rostock – Schlaflos

„Du fragst mich nur, wie mein Tag so war, und schon geht mir das Messer in der Tasche auf“

Es ist zu viel. Ich glaube, ich muss diese Beziehung beenden. Es ist nicht Sinn der Sache, dass jedes kleine Zucken von JH mich nervt. Ich hatte gehofft, dass es besser wird, dass es nur eine Phase Anfang des Monats war, die durch Stress bedingt war, und zwischendurch gab es immer mal so kleine Momente, die Besserung versprochen haben, aber sie reichen einfach nicht mehr. Vor allem, da die erhoffte Besserung doch nicht eintritt.

Ich mag ihm nicht mal Vorwürfe machen, da er sich ganz normal und typisch verhält, aber ich reagiere einfach so anders und empfindlich auf gewisse Dinge, und dies wird jetzt zum Verhängnis.

Er ist so präsent, ich habe keinerlei Chance ihn auch nur ansatzweise vermissen zu können. Ständig eine „Gute Morgen“ und „Gute Nacht“ Nachricht, ständig irgendwelche Emojis, ständig irgendwas in die Richtung „ich denke gerade an/vermisse dich“. Schön, ich aber nicht. Dann fühle ich mich zu allem Überfluss noch schlecht, weil ich so emotionslos drauf bin.
Egal wie weit ich mich zurückziehe, oder es versuche, egal wie wenig ich antworte, es hört von seiner Seite nicht auf. Und anstatt meine eigentlich offensichtliche Distanz mal anzusprechen, wird einfach fröhlich weiter gemacht.  Was soll das? Schluckst du einfach alles runter, weil du Angst hast, einen schlafenden Drachen zu wecken, oder merkst du’s einfach selbst nicht?
Der Drache ist schon lange wach. Weil der Drache ein Verhalten sieht, was ihn an sich selbst in der Vergangenheit erinnert, und das überhaupt nicht gut findet.

Es herrscht ein massives Gefühlsungleichgewicht in dieser Beziehung. Er liebt mich. Ich bin mir mittlerweile sehr sicher, dass ich ihn nicht liebe. Er ist mir wichtig und ich mag ihn, aber jegliche Art von romantischen Gefühlen entgleitet mir langsam. Mit jeder Emotionsbekundung von ihm, möchte ich weiter weg. Jedes seiner Lippenbekenntnisse führt mir vor Augen, was ich nicht fühle, und welchen Stellenwert er mir zumisst und welche Erwartungen er an mich hat. Erwartungen, die ich nicht erfülle und erfüllen kann. Was uns beide gleichzeitig unglücklich macht, auch wenn er es entweder noch nicht weiß, oder nicht zeigt.

Und die Asexualitätskiste steht da auch immer noch mitten drin. Ich schrecke vor der Nähe zurück, weil ich Angst habe, bei ihm das Bedürfnis nach mehr auszulösen, was ich auch wieder nicht erfüllen kann.

Kurz und knapp: wir können uns nicht geben, was wir jeweils brauchen. Wären es nur kleine Dinge, wäre das nicht so schlimm. Aber da es Bedürfnisse sind, die grundlegend in unseren Persönlichkeiten verwurzelt sind, dann passt es nunmal hinten und vorne nicht, und macht einfach unglücklich.

Der einzige Grund, der gegen ein Ende spricht, ist, dass ich ihn echt mag und nicht verletzen will. Aber es sollte klar sein, dass das auf lange Sicht einfach keine Basis für eine Beziehung ist, geschweige denn eine glückliche.

Jetzt muss ich nur noch irgendwie den Ort, die Zeit, und die Überwindung finden, oder? Kann ich jemanden dafür bezahlen?

 

 

Titel aus „Nenn mich nicht Jenny“ von Jennifer Rostock

Leben um zu arbeiten

Was soll ich sagen? Ich habe immer noch Stress.

Es ist Sonntag, kurz nach 17 Uhr und ich sitze an der Arbeit. Nein, ich bin nicht einfach nur mit Arbeit beschäftigt, ich befinde mich physisch an meinem Arbeitsplatz, eine Stunde von Zuhause entfernt. Genau wie gestern auch schon. Weil ich einfach so viel erledigen muss, bevor ein paar Deadlines verstreichen, und ich leider nicht die Software daheim auf dem Rechner habe, um es von dort aus zu erledigen.
Aber ich muss sagen, am Wochenende allein im Büro bin ich einfach am produktivsten wohl. Und an zwei großen Bildschirmen lässt es sich auch viel angenehmer arbeiten als an einem Laptop. Ich kann es mir schönreden, merkt ihr?

Ich habe mir vor ca. zwei Wochen drei Filme angesehen: Earthlings, Cowspiracy, und What the Health?. Hat zur Folge, dass mein Essensvorhaben aus den letzten Posts gekippt ist, und ich nun gänzlich versuche auf vegan umzusteigen. Es ist erstaunlich einfach, solange ich mich selbst um mein Essen kümmere und ich nicht von jemandem bewirtet werde. Ein paar nicht-vegane Lebensmittel habe ich noch zuhause, die sich leider nicht so schnell aufbrauchen lassen (z.B. kiloweise Proteinpulver, uff), aber die werden halt nach und nach abgearbeitet.
Das ist wohl alles, was ich vorerst dazu sagen werde, da ich nicht dieses leidige Veganer-Klischee erfüllen will, dass wir alle ja ständig versuchen würden, die Leute zu belehren (mittlerweile verstehe ich aber auch, warum).

Ich bin sehr erschöpft. Körperlich, emotional, so alles. Ich will einfach nur noch rumliegen. Es war einfach zu viel Stress die letzten Wochen. Donnerstag ist Vorsingen vorm Big Boss, ich hoffe, danach wird es wieder ein kleinwenig ruhiger. So ein bisschen zumindest.

Ich will ’nen Tee.

Schlaflos

Erinnert ihr euch an meinen letzten Post? Der, der eigentlich alles in allem recht okay klang? Ja? Schön, ich auch.

Ist nicht mehr so.

Ich weiß nicht, was hier los ist, aber ich habe Schlafprobleme. Mal wieder. Die Nacht auf Montag dachte ich noch, dass es wegen JH war, der ziemlich unruhig neben mir geschlafen hat. Aber heute Nacht war ich allein. Schwieriges Einschlafen (musste die volle Dosis Baldrian nehmen, damit es klappt), dann ab halb 4 wach.

Ich habe die schleichende Vermutung, dass es Stress von der Arbeit ist. Ich habe gerade so ein richtiges Pensum vor mir. Aber so richtig. Und da ich das nicht gewohnt bin, läuft meine Psyche gerade ein bisschen Amok.
Ich hoffe zumindest, dass das die Erklärung ist, weil dann weiß ich, dass es bald zu Ende sein wird. Wenn es tiefer geht als das, habe ich ein größeres Problem.

Dazu kommt, dass ich gerade wieder krank werde. Das spielt wohl in das Schlafproblem auch rein, wenn man so mit Halsschmerzen aufwacht.

Ich bin so platt.

„Träume wachsen leise, platzen laut“

Samstagabend. Pizza und Äbbelwoi aus der Heimat. Und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.

Kurz und knapp: der Urlaub in Afrika war schrecklich schön. Soll heißen, er war traumhaft, wenn man das Elend der Menschen vor Ort ausblendet. Kann ich nur leider nicht so gut. Es hat mir teilweise fast die Tränen in die Augen getrieben, als wir durch Mombasa durchgefahren sind. Sowas rückt sehr viele Dinge wieder in die richtige Perspektive. Ich muss noch mal recherchieren, ob es irgendeine Organisation gibt, wo Spenden (materiell und monetär) auch sicher bei den Leuten ankommen, und nicht mindestens 2/3 erst einmal die Chefs ernähren.

Ich habe JH am Tag vor meiner Abreise von meiner Asexualität berichtet. Er hat es verkraftet; dass ich allerdings keine Kinder will, hat ihn jedoch sehr hart getroffen. Es flossen Tränen auf beiden Seiten. Generell weiß ich momentan nicht, was ich mit ihm machen soll in meinem Leben. Wir sind jetzt fünf Monate zusammen, sollte da nicht irgendwie noch so das Bedürfnis sehr groß sein, den anderen ständig bei sich zu haben? Aber okay, dies Beziehung verläuft gefühlmäßig sowieso ganz anders als alles, was ich bisher gewohnt war. Er hat bereits verlauten lassen, dass er mich liebt, aber ich habe das Gefühl als würde ich lügen, täte ich den Ausspruch erwidern. Generell bin ich recht distanziert, vor allem auf körperlicher Ebene. Ich kann nicht mal sagen, dass es mich großartig verletzen würde, würde er sich von mir trennen. Habe ich die Verbindung zu meinen Gefühlen mit der Therapie verloren? Oder habe ich generell die Gefühle nicht mehr?
Prinzipiell finde ich es ja sehr angenehm, dass mich emotional nichts mehr aus der Bahn wirft, aber so im Rahmen einer Beziehung sollte doch ein bisschen mehr drin sein, oder? Um es zusammenzufassen: Egal wie, so eine normal-emotionale Beziehung ist für mich wohl einfach nicht drin.

Zu meiner aktuellen Dosierung: Ich bin nach wie vor bei 5 mg Escitalopram, und meine Sorgen sind wohl recht unbegründet. Ich bin weiterhin stabil, Dinge, die mich vor zwei Jahren hätten abstürzen lassen, tue ich jetzt mit einem Schulterzucken ab, ich rufe bei fremden Menschen an (ich reiße mich aber immer noch nicht drum), ich interagiere generell mit Fremden (wenn es halt sein muss). Alles ohne große Probleme, höchstens mal mit etwas rot werden. Wenn das so weitergeht, bin ich in nicht mal einem halben Jahr medikamentenfrei. Unglaublich.

Was mich jedoch manchmal emotional echt beeinflussen kann, ist wenn JP sich in meine Träume schleicht. Warum auch immer sie das tut, ich habe sie seit 1,5 Monaten nicht mehr gesehen und werde sie wohl auch nie wieder sehen. Ich mache fünfzehn Kreuze, wenn ich sie endgültig losbin. So weit weg von mir und trotzdem noch so einen Einfluss. Das ist doch kriminell. Sollte verboten werden.

Apropos große Wirkung: Ich bin zum mündlichen Auswahlverfahren vom Auswärtigen Amt eingeladen! Ich komme immer noch nicht drauf klar. Ich habe mit vollster Überzeugung mit einer Absage gerechnet, weil der Spanischtest so hundsmiserabel war. Alter! Jetzt muss ich nur noch den 20. November irgendwie hinter mich bringen, und das möglichst erfolgreich. Wenn das allen Ernstes klappen würde (es wäre ein Wunder, ich denke, hier ist nun endgültig Schluss), müsste ich mir absolut keine Sorgen mehr um meine zukünftige Arbeit machen. Ein Träumchen! Zwar entdecke ich momentan wieder ein bisschen die Liebe zur Chemie, aber da ist es so schwer, eine Stelle zu kriegen. Ich bin schon am Recherchieren, mein Doktorarbeitsvertrag endet immerhin im Mai. Noch so ein Geist, der mich umtreibt.

Gerade bin ich generell etwas unruhig. Das Bedürfnis Dinge umzukrempeln ist groß. Ich war heute das erste Mal bei Veganz einkaufen, da ich ein bisschen meinen Fleisch- und Milchproduktekonsum zurückschrauben will. Ich habe auch in der Wohnung einiges von A nach B geräumt und habe jetzt im Flur zwei leere Regalfächer, die ich neu füllen kann. Wenn ich den Tatendrang jetzt noch mit an die Arbeit nehmen kann, wär das klasse. Eine lange To-Do-Liste habe ich ohnehin.

Das ist so grob die Zusammenfassung des letzten Monats. Pizza gegessen, Äbbelwoi leer.

 

Titel aus „Wir waren hier“ von Jennifer Rostock

Das erste Mal mit Warnung

Es gibt etwas, was mir seit einer Weile sehr stark im Kopf rumgeht. So stark, dass es mein Verhalten JH gegenüber beinflusst und meine Laune runterzieht.

*TRIGGER-WARNUNG! Der folgende Inhalt beschäftigt sich mit dem Thema Sex(ualität) [keine Gewalt o.ä.]. Menschen, die dem Thema empfindlich gegenüberstehen und/oder davon getriggert werden könnten, mögen bitte nicht weiterlesen!*

Ich weiß nicht, ob ich es jemals irgendwie klar hier beschrieben und benannt habe, aber ich bin asexuell. Das heißt, dass ich keinerlei Sexualtrieb habe oder mich zu jemandem sexuell hingezogen fühle. Sex ist absolut nichts, was mir fehlt.

Jetzt bin ich aber in einer Beziehung mit einem (allo)sexuellen Menschen. Dass da ein etwaiges Problem bestehen könnte, ist offensichtlich. Ja, ich hatte/habe Sex mit JH, aber ich kann weiterhin gut und gerne auf den Akt verzichten, ich tue es eigentlich nur ihm zuliebe.
Problem zwei ist jetzt allerdings, dass er nichts davon weiß. Er wundert sich bestimmt, warum wir viel viel weniger miteinander schlafen, als es „normale“ frische Pärchen tun, und ich weiß auch, dass er gerne eine höhere Frequenz hätte.

Nur langsam kann ich nicht mehr. Ich habe mir gesagt „hey, lass dich einfach mitziehen, wird schon nicht so schlimm sein“, und bin halbherzig auf ihn eingegangen, wenn er angefangen hat. Aber mittlerweile habe ich so eine Aversion gegen das alles aufgebaut, dass ich es vermeide, mit ihm allein in seiner oder meiner Wohnung zu sein, weil dann könnte ja… Sprich, ich zieh mich auf allen möglichen Ebenen gerade vor ihm zurück; so weit, dass ich mal wieder extrem unsicher über meine Gefühle für ihn bin.

Warum habe ich ihm das bisher nicht gesagt? Ja, das ist leider ein vielschichtiges Problem. Langsam bereue ich, es ihm nicht noch vor Beziehungsbeginn gesagt zu haben, wie ich es erst überlegt hatte. Er ist ein unglaublich guter Mensch, der rücksichtsvollste, der mir bisher untergekommen ist. Wenn ich ihm das sagen würde, würde er vermutlich all seine eigenen Bedürfnisse nach hinten werfen, damit ich mich wohler fühle. Aber damit fühle ich mich auch nicht wohl. Es ist eine Pattsituation: sein Bedürfnis gegen mein „nicht“-Bedürfnis. Es können nicht beide glücklich werden.
Und selbst wenn man dann sagen würde „joa, dann setzen wir die Frequenz auf einmal pro Monat“, würde ihm dennoch jeglicher Spaß verloren gehen, da er weiß, dass ich absolut keinen Spaß habe. Er legt so viel Wert auf mein Wohlergehen, dass ihm selbst alles (währenddessen!) vergeht, wenn er den Eindruck hat, dass ich keinen Spaß o.ä. habe. Egal wie, wenn ich es ihm sage, zieht er den Kürzeren.

Ich bin sogar so weit, dass ich ihm vorschlagen würde, dass er sich für den Aspekt jemanden sucht, da ich ihm das Bedürfnis nicht erfüllen kann, und alles weitere bleibt bei uns. Allerdings bin ich mir zu 99,9 % sicher, dass er absolut nichts von dem Vorschlag halten wird.

Andere Möglichkeit wäre, dass er zu dem Schluss käme, so keine Beziehung führen zu können, und dann die Sache beendet. Könnte ich ihm nicht mal verübeln. Wäre auch nicht das erste Mal, dass deswegen eine Beziehung scheitert.

Soll ich es ihm sagen? Wenn ja, dann vor meiner Reise, damit er sich in Ruhe den Kopf zerbrechen kann?

Ich bitte um reges Antworten, ich weiß nämlich echt nicht mehr weiter.