Schlaflos

Erinnert ihr euch an meinen letzten Post? Der, der eigentlich alles in allem recht okay klang? Ja? Schön, ich auch.

Ist nicht mehr so.

Ich weiß nicht, was hier los ist, aber ich habe Schlafprobleme. Mal wieder. Die Nacht auf Montag dachte ich noch, dass es wegen JH war, der ziemlich unruhig neben mir geschlafen hat. Aber heute Nacht war ich allein. Schwieriges Einschlafen (musste die volle Dosis Baldrian nehmen, damit es klappt), dann ab halb 4 wach.

Ich habe die schleichende Vermutung, dass es Stress von der Arbeit ist. Ich habe gerade so ein richtiges Pensum vor mir. Aber so richtig. Und da ich das nicht gewohnt bin, läuft meine Psyche gerade ein bisschen Amok.
Ich hoffe zumindest, dass das die Erklärung ist, weil dann weiß ich, dass es bald zu Ende sein wird. Wenn es tiefer geht als das, habe ich ein größeres Problem.

Dazu kommt, dass ich gerade wieder krank werde. Das spielt wohl in das Schlafproblem auch rein, wenn man so mit Halsschmerzen aufwacht.

Ich bin so platt.

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„Träume wachsen leise, platzen laut“

Samstagabend. Pizza und Äbbelwoi aus der Heimat. Und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.

Kurz und knapp: der Urlaub in Afrika war schrecklich schön. Soll heißen, er war traumhaft, wenn man das Elend der Menschen vor Ort ausblendet. Kann ich nur leider nicht so gut. Es hat mir teilweise fast die Tränen in die Augen getrieben, als wir durch Mombasa durchgefahren sind. Sowas rückt sehr viele Dinge wieder in die richtige Perspektive. Ich muss noch mal recherchieren, ob es irgendeine Organisation gibt, wo Spenden (materiell und monetär) auch sicher bei den Leuten ankommen, und nicht mindestens 2/3 erst einmal die Chefs ernähren.

Ich habe JH am Tag vor meiner Abreise von meiner Asexualität berichtet. Er hat es verkraftet; dass ich allerdings keine Kinder will, hat ihn jedoch sehr hart getroffen. Es flossen Tränen auf beiden Seiten. Generell weiß ich momentan nicht, was ich mit ihm machen soll in meinem Leben. Wir sind jetzt fünf Monate zusammen, sollte da nicht irgendwie noch so das Bedürfnis sehr groß sein, den anderen ständig bei sich zu haben? Aber okay, dies Beziehung verläuft gefühlmäßig sowieso ganz anders als alles, was ich bisher gewohnt war. Er hat bereits verlauten lassen, dass er mich liebt, aber ich habe das Gefühl als würde ich lügen, täte ich den Ausspruch erwidern. Generell bin ich recht distanziert, vor allem auf körperlicher Ebene. Ich kann nicht mal sagen, dass es mich großartig verletzen würde, würde er sich von mir trennen. Habe ich die Verbindung zu meinen Gefühlen mit der Therapie verloren? Oder habe ich generell die Gefühle nicht mehr?
Prinzipiell finde ich es ja sehr angenehm, dass mich emotional nichts mehr aus der Bahn wirft, aber so im Rahmen einer Beziehung sollte doch ein bisschen mehr drin sein, oder? Um es zusammenzufassen: Egal wie, so eine normal-emotionale Beziehung ist für mich wohl einfach nicht drin.

Zu meiner aktuellen Dosierung: Ich bin nach wie vor bei 5 mg Escitalopram, und meine Sorgen sind wohl recht unbegründet. Ich bin weiterhin stabil, Dinge, die mich vor zwei Jahren hätten abstürzen lassen, tue ich jetzt mit einem Schulterzucken ab, ich rufe bei fremden Menschen an (ich reiße mich aber immer noch nicht drum), ich interagiere generell mit Fremden (wenn es halt sein muss). Alles ohne große Probleme, höchstens mal mit etwas rot werden. Wenn das so weitergeht, bin ich in nicht mal einem halben Jahr medikamentenfrei. Unglaublich.

Was mich jedoch manchmal emotional echt beeinflussen kann, ist wenn JP sich in meine Träume schleicht. Warum auch immer sie das tut, ich habe sie seit 1,5 Monaten nicht mehr gesehen und werde sie wohl auch nie wieder sehen. Ich mache fünfzehn Kreuze, wenn ich sie endgültig losbin. So weit weg von mir und trotzdem noch so einen Einfluss. Das ist doch kriminell. Sollte verboten werden.

Apropos große Wirkung: Ich bin zum mündlichen Auswahlverfahren vom Auswärtigen Amt eingeladen! Ich komme immer noch nicht drauf klar. Ich habe mit vollster Überzeugung mit einer Absage gerechnet, weil der Spanischtest so hundsmiserabel war. Alter! Jetzt muss ich nur noch den 20. November irgendwie hinter mich bringen, und das möglichst erfolgreich. Wenn das allen Ernstes klappen würde (es wäre ein Wunder, ich denke, hier ist nun endgültig Schluss), müsste ich mir absolut keine Sorgen mehr um meine zukünftige Arbeit machen. Ein Träumchen! Zwar entdecke ich momentan wieder ein bisschen die Liebe zur Chemie, aber da ist es so schwer, eine Stelle zu kriegen. Ich bin schon am Recherchieren, mein Doktorarbeitsvertrag endet immerhin im Mai. Noch so ein Geist, der mich umtreibt.

Gerade bin ich generell etwas unruhig. Das Bedürfnis Dinge umzukrempeln ist groß. Ich war heute das erste Mal bei Veganz einkaufen, da ich ein bisschen meinen Fleisch- und Milchproduktekonsum zurückschrauben will. Ich habe auch in der Wohnung einiges von A nach B geräumt und habe jetzt im Flur zwei leere Regalfächer, die ich neu füllen kann. Wenn ich den Tatendrang jetzt noch mit an die Arbeit nehmen kann, wär das klasse. Eine lange To-Do-Liste habe ich ohnehin.

Das ist so grob die Zusammenfassung des letzten Monats. Pizza gegessen, Äbbelwoi leer.

 

Titel aus „Wir waren hier“ von Jennifer Rostock

Das erste Mal mit Warnung

Es gibt etwas, was mir seit einer Weile sehr stark im Kopf rumgeht. So stark, dass es mein Verhalten JH gegenüber beinflusst und meine Laune runterzieht.

*TRIGGER-WARNUNG! Der folgende Inhalt beschäftigt sich mit dem Thema Sex(ualität) [keine Gewalt o.ä.]. Menschen, die dem Thema empfindlich gegenüberstehen und/oder davon getriggert werden könnten, mögen bitte nicht weiterlesen!*

Ich weiß nicht, ob ich es jemals irgendwie klar hier beschrieben und benannt habe, aber ich bin asexuell. Das heißt, dass ich keinerlei Sexualtrieb habe oder mich zu jemandem sexuell hingezogen fühle. Sex ist absolut nichts, was mir fehlt.

Jetzt bin ich aber in einer Beziehung mit einem (allo)sexuellen Menschen. Dass da ein etwaiges Problem bestehen könnte, ist offensichtlich. Ja, ich hatte/habe Sex mit JH, aber ich kann weiterhin gut und gerne auf den Akt verzichten, ich tue es eigentlich nur ihm zuliebe.
Problem zwei ist jetzt allerdings, dass er nichts davon weiß. Er wundert sich bestimmt, warum wir viel viel weniger miteinander schlafen, als es „normale“ frische Pärchen tun, und ich weiß auch, dass er gerne eine höhere Frequenz hätte.

Nur langsam kann ich nicht mehr. Ich habe mir gesagt „hey, lass dich einfach mitziehen, wird schon nicht so schlimm sein“, und bin halbherzig auf ihn eingegangen, wenn er angefangen hat. Aber mittlerweile habe ich so eine Aversion gegen das alles aufgebaut, dass ich es vermeide, mit ihm allein in seiner oder meiner Wohnung zu sein, weil dann könnte ja… Sprich, ich zieh mich auf allen möglichen Ebenen gerade vor ihm zurück; so weit, dass ich mal wieder extrem unsicher über meine Gefühle für ihn bin.

Warum habe ich ihm das bisher nicht gesagt? Ja, das ist leider ein vielschichtiges Problem. Langsam bereue ich, es ihm nicht noch vor Beziehungsbeginn gesagt zu haben, wie ich es erst überlegt hatte. Er ist ein unglaublich guter Mensch, der rücksichtsvollste, der mir bisher untergekommen ist. Wenn ich ihm das sagen würde, würde er vermutlich all seine eigenen Bedürfnisse nach hinten werfen, damit ich mich wohler fühle. Aber damit fühle ich mich auch nicht wohl. Es ist eine Pattsituation: sein Bedürfnis gegen mein „nicht“-Bedürfnis. Es können nicht beide glücklich werden.
Und selbst wenn man dann sagen würde „joa, dann setzen wir die Frequenz auf einmal pro Monat“, würde ihm dennoch jeglicher Spaß verloren gehen, da er weiß, dass ich absolut keinen Spaß habe. Er legt so viel Wert auf mein Wohlergehen, dass ihm selbst alles (währenddessen!) vergeht, wenn er den Eindruck hat, dass ich keinen Spaß o.ä. habe. Egal wie, wenn ich es ihm sage, zieht er den Kürzeren.

Ich bin sogar so weit, dass ich ihm vorschlagen würde, dass er sich für den Aspekt jemanden sucht, da ich ihm das Bedürfnis nicht erfüllen kann, und alles weitere bleibt bei uns. Allerdings bin ich mir zu 99,9 % sicher, dass er absolut nichts von dem Vorschlag halten wird.

Andere Möglichkeit wäre, dass er zu dem Schluss käme, so keine Beziehung führen zu können, und dann die Sache beendet. Könnte ich ihm nicht mal verübeln. Wäre auch nicht das erste Mal, dass deswegen eine Beziehung scheitert.

Soll ich es ihm sagen? Wenn ja, dann vor meiner Reise, damit er sich in Ruhe den Kopf zerbrechen kann?

Ich bitte um reges Antworten, ich weiß nämlich echt nicht mehr weiter.

 

Von einem Abenteuer ins Nächste

Eigentlich wollte ich schon vor fast zwei Wochen etwas schreiben, aber dann kam irgendwie das Leben und die Arbeit dazwischen.

Vor zwei Wochen hatte ich meine letzte Therapiesitzung. Boom. Es war sehr seltsam, sich zu verabschieden. Ich hatte zwar darum gebeten, dass wir auseinander gehen wie nach jeder Sitzung, weil größeres Brimborium mich nur weiter gestresst hätte, aber trotz des fast „regulären“ Verabschiedens, bildete sich ein kleiner Kloß im Hals. Diese Sitzungen werden mir fehlen.
Am gleichen Abend wurde dann auch noch meine Escitalopram-Dosis auf 5 mg runtergesetzt, und jetzt warte ich gespannt auf den Absturz. Sofern er denn kommen wird.

Danach war ich für 5 Tage in Florenz auf Konferenz inklusive eines kleinen Rückfalls. Ich wollte mir ein Eis kaufen, wie all meine Kollegen auch, und dann stand ich vor all diesen Eissorten und habe natürlich nicht verstanden, was das für Sorten sind. Teilweise waren es auch keine konkreten Geschmacksrichtungen, sondern „Konzepte“. Oder was ist „talentissimo“ bitte für ein Geschmack? Jedenfalls endete das ganze so, dass ich furchtbar überfordert war mit der Situation und dann mit Kloß im Hals doch als einzige ohne Eis davongezogen bin. Danach war dann erstmal meine Laune im Keller. Das einzig Positive ist, dass es diesmal nicht so schlimm ausgefallen ist wie früher, und ich nicht mit den Tränen kämpfen musste. Wieder einmal hoffe ich einfach, dass das Auftreten der Situation jetzt nichts mit der Dosisverringerung zu tun hat.

Und jetzt? Ja jetzt gehe ich zu allem Überfluss auch noch auf Krücken, da ich mir – wie auch immer – wohl mein linkes Sprunggelenk entzündet habe. Seit Freitagabend leide ich nach einer gewissen Belastungszeit Höllenqualen beim Laufen. Gestern nicht beim Sport gewesen zu sein, hat mich echt noch zusätzlich gequält. Morgen gehe ich dann, egal wie, im Zweifelsfalle mache ich halt Oberkörpertraining.

In einer Woche geht es zudem in den Urlaub nach Tansania und Kenia. Ich bin vielleicht ein kleines Bisschen aufgeregt. JH zieht dann für die zwei Wochen bei mir ein, um meinen Katerchen Gesellschaft zu leisten. Ich habe echt etwas Bammel, wie ich meine Wohnung wieder vorfinden werde, da er jetzt nicht die Ordentlichkeit mit Löffeln gefressen hat.

Jetzt werde ich wohl erstmal ins Labor humpeln müssen. Arbeit will ja auch gemacht werden.

Stresskrank

Ich habe heute Vormittag bereits mit dem Kopf auf meinem Bürotisch geschlafen. Mir geht es nicht gut. Es baut sich gerade eine Erkältung auf und der Zeitpunkt passt mir mal so gar nicht. Mal ganz davon abgesehen, dass ich an der Arbeit gerade wie wild eine Abhandlung fertigstellen sollte, was natürlich nicht passiert und ich somit in eine Stressspirale taumle, sieht mein Freizeitplan für den Rest der Woche eigentlich so aus:

  • Heute, Donnerstag: Sport, Plasmaspende, Baumarkt, Fressnapf, Rossmann
  • Freitag: Sport, Tropeninstitut (Impfung für Afrikaurlaub)
  • Samstag: Tattoo-Stechen, Einkaufen, Haushalt, evtl. Weggehen mit dem Finnischkurs
  • Sonntag: In die Heimat bis Donnerstag (Geburtstag meiner Besten, 40jähriges Dienstjubiläum meiner Mutter,…)

Fakt ist: Krank sein geht eigentlich mal so gar nicht jetzt.

Sport habe ich heute schon gemacht, obwohl ich es mit der Erkältung nicht sollte, die Plasmaspende ist vorsorglich abgesagt, und bei Fressnapf habe ich dann eben (viel zu viel wegen der Versandkosten) online bestellt. Im Grunde habe ich ein dickes Minus gefahren durch die verpasste Spende und das Zuschlagen bei Fressnapf. Yay.

Ich vermisse die Zeit, als mein Körper noch nicht so auf Stress reagiert hat. Ist das dieses Alt-werden, von dem alle reden?

Übernächste Woche ist meine nächste und letzte Therapiestunde für dieses Jahr. Ich komm darauf nicht klar, so ein bisschen. Über anderthalb Jahre war das jetzt ein fester Bestandteil, und dann schwupps, weg. Ich sollte nicht weiter drüber nachdenken, das macht nur zusätzlich Stress. Worüber ich leider auch meine Gedanken nicht still halten kann, ist, dass ich am selben Tag auch noch einen Termin bei meinem Psychiater habe, wo es um eine erneute Verringerung meiner Escitalopram-Dosis gehen wird. Bin ich bereit für die 5 mg? Momentan kann ich es gar nicht so sagen, weil irgendwie in letzter Zeit einiges drunter und drüber ging. Da ist dann nur die Frage, ob es so anstrengend war, weil die Dosis schon runtergesetzt war, oder ob das egal wie so gewesen wäre.
Für mich als Naturwissenschaftlerin gibt es in der ganzen Psychokiste zu viele sich gleichzeitig ändernde Variablen, als dass ich irgendwie eine Aussage treffen könnte. Auch das stresst mich als Kontroll- und Klarheitsjunkie dezent.

Und noch so eine Frage, die ich mir momentan stelle: Liegt es am Stress, dass ich leichter reizbar bin bzw. Menschen eher mal eine Warnung ansage? Oder an der geringeren Dosis? Werde ich instabiler? Kommt einfach so langsam eine Seite von mir raus, die jahrelang unterdrückt wurde?

Es ist alles ein großes undurchschaubares Knäuel, an dem vermutlich an fünf Enden gleichzeitig gezogen wird. Und wisst ihr was? Das stresst mich.

Kopf gesprengt

Ich lebe noch. Wenn ich mir die letzten drei Wochen so anschaue, kann ich es kaum glauben, aber ich tue es. Anyway, fangen wir mal chronologisch nach meinem letzten Post (auch schon wieder sechs Wochen her) an.

Was soll ich sagen, die drei Wochen ohne JH haben mir gut getan, so doof es klingt. Ich konnte endlich wieder ein bisschen zu mir selbst finden, auch wenn ich natürlich zeitgleich an meinen Gefühlen zweifeln durfte, weil… warum vermisse ich ihn nicht? Glücklicherweise mag ich ihn doch noch, wie sich herausgestellt hat.

Dann kam am 30. Juni die E-Mail vom Auswärtigen Amt, dass ich zum schriftlichen Auswahlverfahren zugelassen bin. Auf der einen Seite war das ein mega-YAY, auf der anderen ein Scheiße-jetzt-muss-ich-mir-den-Kopf-vollballern. Wer wissen will, wie übelst dieses Verfahren ist, darf einmal hier klicken. Das hieß, am nächsten Montag ab in die Uni-Bib und mal sieben Bücher zum Durcharbeiten geholt. Ich bin ja absolut fachfremd, was all dieses Wissen angeht. Also mal eben für drei Wochen jegliche Form von Recht, VWL, und Politikgeschichte reingepfiffen. Es war übel.
Das waren im Endeffekt meine drei letzten Wochen, denn gestern war Prüfungstag. Von 8 bis 17 Uhr. Und das auch noch am Arsch der Heide, 1,5 Stunden pro Weg dahin. Die Antwort, ob ich ins mündliche Verfahren darf, kriege ich Ende September, aber ich glaube nicht, dass ich es geschafft habe. Der Spanischtest war einfach die Hölle, sodass ich irgendwann resigniert nur noch irgendwas gemacht und geschrieben hab.

Jetzt muss ich erst einmal wieder runterkommen und meinen Weg zurück in einen Alltag ohne dauerhaftes Lernen finden. Generell muss ich jetzt an der Arbeit erstmal einen Überblick kriegen, denn ich habe ehrlich gesagt die letzten zwei Wochen hauptsächlich meine Zeit hier mit Recherchieren und Ausdrucken verbracht und alles auf die Zeit nach der Prüfung geschoben. Soll heißen, zu meiner extensiven allgemeinen To-Do-Liste neben meinem Schreibtisch kommt jetzt noch eine speziell für die Woche.

Ganz nebenbei habe ich nur noch zwei reguläre Therapiestunden. Nächste Woche eine und dann die letzte noch einmal drei Wochen darauf. Es ist immer noch surreal, immerhin ging das jetzt über 1,5 Jahre.

Jetzt sitze ich hier und muss mich verzweifelt für die Arbeit motivieren. Wie macht man das nochmal? Was ist eigentlich mein Job? Mäh?
Aber egal, heute Abend haben JH und ich wieder Date-Night, da freue ich mich drauf.

Weg

Ich kann nicht mehr. Ich bin emotional/psychisch so am Ende, dass mein Körper gleich mitmacht. Fragwürdiges Dreamteam.

Ganz grob überschlagen hatte ich seit ca. 3,5 Wochen keinen Tag mehr für mich.
Arbeit/Alltag/JH – Kurzurlaub in Paris – Arbeit/Alltag/JH – Dienstreise nach Denver – Arbeit/Alltag/JH – Nervlicher Zusammenbruch

Das ganze geht soweit, dass ich mich echt drüber freue, dass JH die nächsten zwei Wochen weg ist, weil ich dann viel mehr Zeit für mich selbst haben werde… allein schon das Wochenende jetzt wird (hoffentlich) ein Traum. Einfach nur ich allein mit meinen Katern. Natürlich werde ich draußen rumrennen, einkaufen, Sport machen, etc., aber ich werde keine nennenswerte zwischenmenschliche Interaktion haben. So toll. Ich kann das gerade einfach nicht mehr.

Allerdings verstört mich natürlich die Tatsache, dass ich JH gerade lieber weg als hier habe, doch etwas. Es macht mir Angst, dass ich ihm schon überdrüssig bin, und ich jetzt schon meine Gefühle für ihn abbaue. Ich musste mir vorgestern in der Therapie erstmal erklären lassen, dass es völlig normal ist, dass man nicht dauerhaft Lust hat, seinen Partner um sich zu haben. Wie so ein Beziehungslegastheniker.
Ich bin es einfach nicht gewohnt, dass mein Partner so viel von meiner Freizeit beansprucht. JP habe ich meistens zur Arbeitszeit um mich gehabt, und LD habe ich immer nur am Wochenende gesehen… und die zwei anderen Beziehungen, die ich noch in meinen 20ern hatte, haben immer nur ein paar Wochen gedauert und haben entsprechend in dem Aspekt kaum Aussagekraft.

Egal wie, das Ende vom Lied ist, dass ich seit Montagabend weit weg von bester Laune bin und die Menschen auf mehreren Armlängen halten will. Das macht mich natürlich zu einer sehr tollen Freundin für JH, vor allem wenn man bedenkt, dass wir uns für den Rest des Monats nicht mehr sehen. Er hat schon mehrfach nachgefragt, ob er was angestellt hat, der Gute. Logischerweise ist es für ihn ja nicht so ganz nachzuvollziehen, dass ich „grundlos“ auf einmal so halb abweisend zu ihm bin. Es tut mir so mega leid, aber ich kann grad einfach nicht, ich bin platt.

Abgesehen von meinem Wrack-sein, eine kurze Zusammenfassung meiner zwei „Urlaube“. In Paris war ich mit meiner besten Freundin NM, die noch in meiner Heimat wohnt. Es war so schön, sie so lange um mich zu haben, das letzte Mal hatte ich das vermutlich auf dem Level zu Abizeiten. Kaum fuhren wir in unterschiedliche Richtungen, habe ich sie auch schon vermisst.
Vor meiner Reise nach Denver hatte ich ja so meine Bedenken, ob ich da meinen Spaß haben werde, da ich mir die Kollegen, die mitkamen, so nicht ausgesucht hätte. Aber es war doch besser als gedacht, ich hatte nicht einmal den Drang, PK zu erwürgen oder so. Ich wäre sogar noch etwas länger geblieben.

Desweiteren habe ich noch fünf reguläre Therapiesitzungen und dann noch eine vier Monate später. Auf einmal ging das irgendwie ganz schön schnell. In zwei Monaten sollte dann theoretisch meine Medikamentendosis wieder reduziert werden, und dann bin ich ja schon so fast auf mich allein gestellt. Angst und Sorgen? Ja logisch.

Alles in allem möchte ich mich also gerade nur in einer Ecke verkriechen und meine Ruhe vor allem haben.

Me and you and my medication

Kurz und knapp: Seit 1.5 Wochen ist meine Medikamentendosis um 25% verringert. Von 10 mg Escitalopram auf 7.5 mg. Es wäre eine glatte Lüge, wenn mir das keine Angst machen würde.

Mit diesem Medikament habe ich es geschafft, so zu sein, wie ich jetzt bin. Auch mal die etwas sozial offenere Seite in mir rauslassen zu können. Psychisch und emotional stabil zu werden. Kurzum: zufrieden, bis hin zu glücklich zu sein.
Und jetzt stehe ich mit meinem Bauhelm vor meinem neu gebauten Haus und habe Angst, dass es Risse und Einstürze gibt, wenn ich die Stützpfeiler rausnehme. Dass es noch nicht stabil genug ist.
Gerade jetzt, wo ich wieder in einer Beziehung bin, ist es eine absolute Horrorvorstellung, wieder in alte Muster zurückzufallen. Denn ganz ehrlich, jetzt in meiner stabilen und mir selbst sicheren Form sehe ich mein Verhalten in der Vergangenheit ganz anders und möchte auch nicht mit meinem damaligen Ich zusammen sein. Das war ja wirklich für alle Beteiligten mega anstrengend.

Vor +2/3 Jahr:

  • ich habe mich verbogen bis zum Anschlag, um zu gefallen
  • ständige Angst, den Herzensmensch zu verlieren, wenn ich nicht immer gefalle
  • emotional abhängig von jeder kleinen Regung der Person
  • alles auf mich bezogen und Fehler bei mir gesucht
  • Termine ausfallen lassen, um Zeit mit der Person zu verbringen

Jetzt:

  • ich habe meine Wochenroutine und von der bringt mich keiner ab
  • suche nach logischen Ursachen und schaue überhaupt erst nach meiner Schuld, wenn es auch Sinn macht
  • Ruhe emotional in mir selbst
  • Mache Dinge nur noch, weil ich es auch will, und nicht aus Zwang, weil die Person mich sonst verlassen könnte

Diesen wunderbaren Zustand der Autonomie, der Kontrolle über mich und mein Leben, wieder zu verlieren, macht mir Angst. Deswegen begutachte ich jede kleine Gefühlsregung seit der Dosisänderung mit Skepsis. Oh, deine Stimmung ist heute etwas gedrückter? Na lass das mal nicht die fehlenden 2.5 mg sein.
Ich will nicht mein Leben lang auf Tabletten angewiesen sein, um so leben zu können, wie ich will. Früher zu Jugendzeiten habe ich das mit den psychischen Störungen und Medikamenten ja noch sehr verklärt und romantisiert gesehen. Die gebrochene Seele, die besungen und dann gerettet werden muss. Wie schön es doch sei, wenn das Blut läuft, etc. pp. Eine psychische Krankheit als stolzer Banner des Anderssein.
Fucking hell no. Es ist keine Auszeichnung, kaputt zu sein, zu leiden, gerettet werden zu müssen. Es ist eine Auszeichnung, all das überwunden zu haben und sein Leben nach/trotz allem so leben zu können, wie man es will. Aber meinem Versagensängsten geplagtem Ich ist es natürlich eine unglaubliche Niederlage und Scham, würde ich das nicht aus eigener Kraft, sondern nur mit Tabletten können.
Ich will nicht mehr gerettet werden. Ich kann auch gar nicht mehr gerettet werden, denn ich habe mich verdammt nocheins selbst gerettet. Mit Medikament und Therapie als Schild und Schwert.

Ist halt nur blöd, dass das eine immer kleiner wird, und das andere in ca. zwei Monaten komplett weg ist. Ich sehe mich schon bald mit einem Zahnstocher bewaffnet mein neues Häuschen verteidigen. Aber das werde ich (hoffentlich) verdammt gut machen.

„It’s too late baby, there’s no turning around“

12 Tage ist mein letzter Post her. Vor 12 Tagen habe ich noch über mein Gefühlschaos berichtet.

Jetzt bin ich seit 4 Tagen mit JH zusammen. Boom.
Und es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass mir das keine Angst macht. Also, dass ich in einer Beziehung bin, nicht, dass ich in einer mit ihm bin.

Aber first things first. Ich habe am Dienstag noch ausgiebig mit meinem Therapeuten drüber geredet, wie unsicher ich bin, ob ich wirklich etwas für JH empfinde. Dies kam daher, da mir irgendwie die typischen Verliebtheitssymptome, die ich sonst immer gezeigt habe, gefehlt haben. ABER ich habe mich auch sehr verändert, seit ich das letzte Mal wirklich verliebt war (JP), und daher konnte das natürlich auch daher kommen.
Und dann, als wäre das Gespräch alles gewesen, was ich gebraucht habe, ging es Mittwoch auf einmal „rund“. Ich war mit ihm zum Mittagessen verabredet, und da spürte ich es auf einmal hochkommen, so langsam. Beim Mittagessen am Tag darauf lag dann schon meine Hand in seiner und ich hätte auch nichts gegen einen Kuss einzuwenden gehabt.
Freitag dann hat er mich mit auf eine Party bei seinem besten Freund genommen und ich habe auf der Türschwelle Nägel mit Köpfen gemacht und ihn geküsst. Ich war mutig und hatte die Schnauze voll.
Ich bin ja jemand, der ganz schnell die Flucht ergreift, wenn sich Momente aufladen. Und von den Momentan hatten wir zuvor schon genug und jedes Mal habe ich mich dann irgendwie aus der Situation rausgemogelt, weil es furchtbar unangenehm für mich war.
Also einfach drauf los, bevor sich diese Aufladung bilden und ich Zeit zum Nachdenken haben kann.

Egal wie, mich quälen trotzdem noch Zweifel und Ängste. Einfache Überforderung, weil ich Angst habe, zu verletzen und verletzt zu werden (siehe Bild). Ich habe viel höhere Mauern um mich herum, als jemals zuvor. Noch nie in meinem Leben habe ich Menschen weniger vertraut und von mir preisgegeben als jetzt. Ich hoffe einfach, dass ich ihn damit nicht irgendwie verletzte und dass er mir die Zeit gibt, um ihn herum ab und an auch mal die Schlossgrabentür runterzulassen.
Von dem ganzen Köperliche-Nähe-Aspekt brauchen wir erst gar nicht anfangen, davor hab ich echt Angst, weil es mir irgendwie immer die letzten Beziehungen zerschossen hat (unter anderem natürlich) und ich echt nicht weiß, ob ich gut genug sein kann. Selbstzweifel galore, was das angeht.
Besonders schlimm ist es für mich, wenn er nicht um mich herum ist, weil ich dann natürlich zum Nachdenken und Hinterfragen komme. Da ist die erste Reaktion immer noch „Scheiße, ich bin in einer Beziehung? Das geht nicht, ich muss hier raus! Panik Panik Panik“.

Vielleicht kann ich mir ja irgendwann mal erlauben, das Gute zu sehen und mich nicht von der Angst vor dem Ende und den Schmerzen beeinflussen zu lassen.

 

(Titel aus Hero/Heroine von Boys Like Girls)

„Was das Leben macht, macht es kompliziert“

Am Dienstag vergangener Woche meinte ich noch scherzhaft zu meinem Therapeuten, dass die (terminlich unausweichliche) zweiwöchige Pause gar nicht so schlecht wäre, weil sich ja dann mehr zum Bereden ansammeln würde. Hätte ja nicht gedacht, dass ich in ein emotionales Chaos rasseln würde. Fucking hell.

Kurz und knapp: ich stehe emotional zwischen zwei Kerlen und bin damit auf vielen Ebenen überfordert. Und entsprechend angekotzt.

Meine Beste und ich kamen zu dem Schluss, dass ich diesen Frühling emotional unzurechnungsfähig bin. Erst diese kurze Schwärmerei für VS, dann bahnte sich langsam was mit JH (zu ihm kommen wir gleich) an, und dann auf einmal dieses Schockverlieben in BL (kommt auch gleich) am Wochenende… uuuuuuncooooooooool.

Also, JH (Beziehungsstatus: Single). Er ist auch mehr oder minder ein Kollege von mir. Also, wir arbeiten am selben Institut, aber in unterschiedlichen Abteilungen. Wir kennen uns, da wir beide für unsere jeweiligen Abteilungen Doktorandenvertreter (PhD reps) sind, und ich habe seit ca. 2 Monaten den Verdacht, dass er Interesse an mir haben könnte, da er mit mir doch anders umgeht, als mit den übrigen Damen. Ich weiß immer noch nicht so recht, was genau ich mit ihm machen soll, aber da ich jetzt seit einer Woche auch kontinuierlich mit ihm schreibe, fange ich, glaub ich, auch langsam an, etwas zu entwickeln. Aber ich weiß nicht so recht, ob das alles so sinnig ist. Gestern jedoch ging es mir (migränebedingt) so schlecht, dass mir hier die Decke auf den Kopf gefallen ist, und ich mal eben zu ihm in seine ausgelagerte, ein Kilometer entfernte, Abteilung gelatscht bin. Also irgendwie…

Anyway, am Wochenende kam BL (Beziehungsstatus: unbekannt, im Zweifel vergeben) ins Spiel. Er ist der Sänger der lokalen Band, die meine Mutter für ihre Geburtstagsfeier engagiert hat. Und am Vortag ihrer Feier hat die Band passenderweise in einer Stadt in der Nähe ein Konzert gegeben, also sind wir da hin und haben uns die Jungs mal angeschaut. Da hat mich das alles noch nicht so beeindruckt, ich war eher amüsiert über sein Outfit und das war’s. Am nächsten Tag war ich allerdings auf seinem Facebook-Profil und habe da ein Bild gesehen, dass mich sofort so umgehauen hat… Ich muss ganz ehrlich sagen, ich kann mich nicht dran erinnern, wann das letzte Mal ein Kerl so mega attraktiv auf mich gewirkt hat. Ich habe dann entsprechend die Zeit nach dem Bandauftritt auf der Feier damit verbracht, seine Aufmerksamkeit zu erhaschen. Pro tip: sowas klappt super, wenn man den Menschen einfach das Handy wegnimmt. Hatte viel Spaß mit ihm an dem Abend.

Jetzt bin ich also nicht nur überfordert, weil ich irgendwie zwischen zwei Kerlen hänge, sondern natürlich auch, dass es Kerle sind. Eigentlich habe ich da ja kein Interesse mehr dran. Aber gut, nach den letzten Frauen-Miseren, auch irgendwie verständlich, wenn mein Unterbewusstsein wieder woanders hinschwingt.
Kann ich jetzt nicht einfach die beiden mischen? Einfach BÄM zusammen und dann wär das ja… ne? Zumindest wäre das Chaos dann nur noch auf eine Person beschränkt.

Während ich mich am Montag noch aufgeführt hab wie mein 16jähriges Ich, ist all dieses positive Verliebtsein jetzt einem Loch gewichen, weil ich einfach nicht mehr weiß, was ich tun soll. BL hat mich einfach wie der Blitz getroffen, aber ich habe ja nicht mal Ahnung, ob er überhaupt Interesse hätte. Die räumliche Distanz (ca. 550 km) hilft da ja auch nicht wirklich. JH ist hier, zeigt mir Zuneigung, wir sind dauerhaft in Kontakt und ich merke, wie ich gerne in seiner Nähe bin bzw. den Kontakt habe.
Wem gibt mein Herz den Vorrang? Und vor allem, was sagt mein Kopf dazu? Gut, der sagt eigentlich, dass ich ganz die Finger von allen lassen soll, aber das klappt ja auch nur so halb.

Entsprechend dem Ganzen ist mein wunderschöner Antrieb an der Arbeit auch abgesackt. So sitze ich hier und bin ein bisschen unglücklich über dieses Gefühlschaos.

Es ist so viel passiert
Wir waren alle mal anders
Könnten alle so einfach sein
Doch mal ehrlich wer kann das
Es sind nur Sekunden
Die ein Leben verändern
Zwischen kommen und gehen
Zwischen Empfängern und Sendern
Hinter der leuchtenden Skyline
Und all dem was man nicht sehen kann
Suchen Millionen nach jemandem, der sie verstehen kann

(Text & Titel aus „Zwei Nächte Sommer“ von PARKA)