„ein Zug auf Flamme und die Stadt steht scheinbar still…“

„… ich schwör‘ mit jedem Wort, dass ich hier bleiben will“

Es ist gleich 4:50 Uhr morgens. Ich habe noch nicht geschlafen und werde es wohl auch nicht mehr tun, da in einer Stunde mein Wecker klingelt. Ich bin mit meiner Trainerin zum Beintraining verabredet. Der denkbar schlechteste Zeitpunkt, nicht ausgeruht zu sein.

Wann habe ich das letzte Mal eine Nacht durchgemacht? Oder eher: wann habe ich das letzte Mal durchgemacht, weil ich partout keinen Schlaf gefunden habe? Keine Ahnung, es entzieht sich meiner Erinnerung, ob es überhaupt jemals so krass vorgekommen ist.

Meine Gedanken donnern mit 180 km/h durch eine (theoretisch) verkehrsberuhigte Zone.

Das einzig Gute gerade ist, dass ich ziemlich genau weiß, was mich wachhält. Ich habe einen Job gefunden. Ich werde Berlin verlassen müssen. Mit letzterem werde ich noch lange Kämpfe ausführen.

Ich will hier nicht weg. Ich will das nicht. Ichwillnichtichwillnichtichwillnicht.

Klar könnte man dann sagen „ja, dann nimm keinen Job in einer anderen Stadt an!“, aber ganz so einfach ist das nicht, wenn es in Berlin keine Arbeit für mich gibt. Im Endeffekt ist es die Wahl zwischen Pest oder Cholera: arbeitlos sein oder wegziehen. Leider musste ich da vernünftig sein und die Option mit mehr Perspektive wählen, auch wenn meine Psyche da jetzt ein paar harte Monate vor sich haben wird.

(Nebenbei, noch eine Woche und mein Medikament ist komplett abgesetzt. Bis auf diese Krise epischen Ausmaßes ist aber alles tippitoppi gelaufen bisher. Ich denke, ich krieg das diesmal ohne Rückfall hin.)

Seit gestern ist es im Grunde offiziell, der Arbeitsvertrag ist auf dem Weg, und die ersten Anfragen für Wohnungsbesichtigungen habe ich bereits losgeschickt.

Ich will nicht umziehen. Oh Gott, ich will das nicht. Ich glaube, jetzt fühle ich das, was die meisten Menschen wohl fühlen (sollten), wenn sie die Heimat verlassen. Was ich vor vier Jahren vielleicht hätte fühlen sollen laut sozialen Konventionen. Aber mein Herz hat über 24 Jahre am falschen Ort gelebt und ist daran zerbrochen. Jetzt ist es endlich geflickt und muss doch wieder woanders hin.

Ach shit, mir geht soviel im Kopf und im Herzen um. Ich springe zwischen Vorfreude auf Arbeit (okay, eher das Geld), Vor-Vermissen, und Selbstmitleid hin und her. Komplette emotionale Überforderung.

Kurz zusammengefasst: ein kompletter Neuanfang steht am Horizont und ich fühle mich absolut nicht dafür bereit.

 

Titel aus „Tauben aus Porzellan“ von Jennifer Rostock

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„forget the poems of saints and ghosts, I’m the one I fear the most“

Es sind einige Dinge passiert in den letzten 10 Tagen. Einige nicht so positiv. Ich werde an einer Stelle in diesem Eintrag eine Triggerwarnung anbringen, nur schon einmal zur Vorwarnung.

Vor 10 Tagen hatte ich meine Promotionsprüfung. Ich habe das ganze mit einer 2 hinter mich gebracht. Und jetzt einmal die harten Fakten auf den Tisch: eine Promotion mit einer 2 abzuschließen heißt im Grunde, dass man es auch gleich hätte lassen können. Ich habe nur eine weitere Person miterlebt, die auch mit dieser Note abgeschlossen hat, und das war einer der größten Volldeppen, die unser Institut zu dem Zeitpunkt zu bieten hatte. Mit ihm stehe ich jetzt auf einer Stufe.
Ich brauch wohl nicht erklären, dass ich nachts im Bett lag und geheult habe. Diese verdammte Note verbaut mir jetzt sehr viele Jobaussichten, weil so gut wie alle bei einer Berufsanfänger*in mindestens eine 1 in der Promotion erwarten. Abgesehen davon fühle ich mich auch so wie ein Versager.
Das ganze hat extrem viel in mir losgetreten, und dass meine Familie noch das Wochenende über da war und ich somit keine Zeit hatte, mich anständig mit mir selbst auseinanderzusetzen, führte jetzt zur

TRIGGERWARNUNG

Ich meine mich düster daran erinnern zu können, dass ich schon einmal geschrieben habe, dass das Bedürfnis mir wieder die Arme aufzuschneiden, an die Oberfläche gekommen sei (war das schon dieses Jahr? Ich weiß es nicht mehr).
Ich wollte mir verdammt noch mal am liebsten beide Arme bis auf den Knochen absäbeln und dann mit meinen Beinen weitermachen. Dass das von der Reihenfolge her keinen Sinn macht, lassen wir jetzt mal außer Acht, Gefühle machen keinen Sinn. So ein Hass und eine Wut in mir. Auf mich, auf die Prüfer, auf meine Betreuerin, auf meine Familie.
Und jedes Mal, wenn irgendwer meine Promotion zur Sprache bringt, taucht all dies wieder auf. Just in diesem Moment hatte ich einen Flashback zur Notenverkündung und mein Körper fühlt sich ganz kribbelig an, als wäre ich nur halb hier. Ih.
Aber egal wie, ich muss damit jetzt irgendwie klar kommen und das psychisch verwerten, denn bei jedem Vorstellungsgespräch (wenn ich sowas überhaupt noch kriege, ha!) werde ich vermutlich auf die Note angesprochen werden.
Positive Note zum Abschluss: vielleicht war es auf eine quälende Art und Weise gut, dass die Familie da war, sonst hätte ich vielleicht meinen Impulsen nachgegeben.

TRIGGER AUS

So, ich bin jetzt jedenfalls arbeitslos. Was ging es mir schlecht an meinem letzten Arbeitstag. Gerade geht es mir wieder/noch recht okay damit, aber die letzte Woche hat mich auch sehr auf Trab gehalten, da ich spontan ein Vorstellungsgespräch in der Nähe von Nürnberg bekommen habe, und dafür auch erstmal ein anständiger Anzug gekauft werden musste. Nächste Woche dreht sich das meiste um die Vorbereitung meiner Promotions-Nachfeier/Abschiedsfeier (wer den vorherigen Abschnitt gelesen hat, kann sich vorstellen, wie viel Lust ich darauf jetzt habe). Die Woche darauf verbringe ich zur Hälfte in der Heimat. Also ich bin schon beschäftigt zum Glück.

Okay, positive Dinge!

Ich war gestern zum ersten Mal beim CSD hier in Berlin und was soll ich sagen… ich habe sehr sehr viel mit den Tränen gekämpft. Hätte ich irgendwo eine ruhige Ecke mit nicht 100 weiteren Personen gefunden, wäre ich vermutlich mal kurz zusammengebrochen. Und ja, das war alles sehr positiv. Das waren Tränen der Freude und der puren Überwältigung. Das ist etwas, das können heterosexuelle cis-Personen nicht nachvollziehen. Diese geballte Ladung an Liebe, Stolz und Akzeptanz war einfach zu viel – im positivsten aller Sinne.

Und da mir gerade eingefallen ist, dass ab heute die neue Staffel Orange is the New Black online ist, werde ich mich jetzt damit beschäftigen, bevor ich mich zu meinem Kinotag aufmache. Mal sehen, wie oft ich Daaaaaaaaaaaamn! flüstern werde, wenn Cate Blanchett bei Ocean’s 8 auftaucht.

 

Titel aus „What’s wrong“ von PVRIS

And down we go

Schon wieder ein Monat rum, das funktioniert fast wie ein Uhrwerk mit den Einträgen. Ein langsames Uhrwerk. Mit großen Abständen zwischen den Zeigern.

Es sind noch 9 Tage bis zu meiner Promotionsverteidigung. 9 Tage bis ich meine Arbeit der letzten 3,5 Jahre verfechten muss. 9 Tage bis zu den härtesten 1,5-2 Stunden meines bisherigen Lebens. Eine halbe Stunde Vortrag, eine bis anderthalb Stunden mündliche Prüfung durch die Kommission. Alles vor Familie, Freunden, und Kollegen. Ich habe Angst vor dem Prüfungsteil. Manchmal liege ich im Bett und kriege einen kurzen und schnellen Angriff von Panik, weil mich aus dem nichts die Realisation angreift, was da auf mich zukommt. Und dann ist es erst einmal Essig mit schlafen.

Passenderweise schleichen wir jetzt mein Medikament wieder aus, ein zweiter Versuch. Eigentlich ist das jetzt ein noch dämlicherer Zeitpunkt als Anfang des Jahres. Nicht direkt wegen der Prüfung, sondern der darauffolgenden Arbeitslosigkeit, die mich sicherlich runterziehen wird.
Ich hatte letztens eine Woche Urlaub; das erste Mal, dass ich nicht verreist bin in der Zeit, sondern nur zuhause war. Und ich bin fast irre geworden, weil ich nicht wusste, was ich mit mir anfangen soll. Ich habe mich ein bisschen mit Arztterminen und Lernen beschäftigt, aber abgesehen davon… puh. Es ist mir ein Rätsel, wie ich das früher geschafft habe, sechs Wochen Ferien einfach so abzugammeln.

Ich hoffe inständig, dass ich zu September einen Job haben werde, sonst kann man mich psychisch irgendwo vom Straßenpflaster kratzen. Aktueller Stand: 20 Bewerbungen, 16 Direktabsagen, 2 Telefongespräche, 2 noch offen.

Langsam finde ich mich immer mehr damit ab, dass ich mein geliebtes Berlin verlassen werden muss. Hier gibt es keine Stellen für mich, egal wie ich mich drehe und wende. Ich werde regelmäßig ein wenig emotional deswegen.

Berlin hat mich aufgefangen und gerettet. Hier konnte ich endlich so sein und werden, wie ich bin. Ich konnte das soziale Leben führen, das ich wollte. Ich konnte die Hilfe finden, die ich brauch(t)e. Ich liebe diese Stadt und es wird mir das Herz brechen, hier weggehen zu müssen.

Hätte mich nicht just in diesem Moment eine Kollegin per Whatsapp im Schreiben unterbrochen, wäre ich wohl mitten im Büro in Tränen ausgebrochen (sie parkt gleich ihren Hund bei mir, yay!)

Momentan ist meine emotionale/psychische Lage nicht gut. Stressessen ist angesagt, was teilweise nicht mal mehr im Moment des Essens hilft, weil sich selbst dann schon ein schlechtes Gewissen einstellt. Ich habe in den letzten zwei Wochen ungelogen mindestens zehn Tüten Chips gegessen. Da kommen dann noch Eis, Schokolade, Gummibärchen, etc. obendrauf. Auf der Ebene rutsche ich gerade echt eine Selbsthassspirale runter, die ich, glaube ich, keinem erklären muss.
Zusätzlich fühle ich mich chronisch schlecht vorbereitet auf die Prüfung. Die Jobsuche…

Bevor ich mich jammernd auf den Büroboden lege, gehe ich jetzt mit dem Hund raus und werf ein bisschen den Ball weg.

 

Mir fehlt gerade die Idee für einen Songtext-Titel

Willkommen zu meinem monatlichen Eintrag! Spaß beiseite, es ist echt schon ein bisschen schandhaft, dass ich nur noch in so riesigen Abständen schreibe, das war so nicht geplant. Auf der anderen Seite ist es echt ein kleines Wunder, dass ich überhaupt noch schreibe, immerhin gibt es diesen Blog schon seit 2,5 Jahren und normalerweise haben alle anderen Versuche an ähnlichen Projekten eher nicht so lange gehalten.

Nun gut.

Meine Doktorarbeit ist abgegeben und Mitte Juli werde ich sie verteidigen. Dann ist dieser Käse endlich gegessen und ich darf mich obendrauf noch Frau Doktor nennen und mich wichtig machen. Da freue ich mich ehrlich schon drauf.

Entsprechend habe ich mich schon auf ca. 10-15 Stellen beworben, bisher aber kein Erfolg. Nimmt mich aber noch nicht sonderlich mit, immerhin habe ich aktuell noch Gehalt und ich habe sowieso nicht geplant, direkt ab Mitte Juli etwas neues anzufangen. Ich brauch eine Pause. Sollte sie länger als 1,5 Monate dauern, ist jedoch mit etwaigen Unruhen zu rechnen.

Am Montag ist mal wieder der vierteljährliche Besuch beim Psychiater angesagt. Vielleicht schaffe ich es ja diesmal, meine Dosis komplett auf Null runterzufahren, sollten wir uns dafür entscheiden. Um ehrlich zu sein, ich befinde mich momentan nicht so ganz auf der Höhe, was aber noch andere Gründe als nur die Psyche haben kann (dazu gleich mehr). Von daher wäre es vielleicht nicht so gut, wieder einen Einbruch zu riskieren. Allerdings weiß ich ja nicht, ob ich in drei Monaten überhaupt noch in Berlin sein werde, und dann hätte ich gerne diese ganze Kiste abgehakt, damit ich mir nicht in Stadt X in Land Y noch jemanden suchen muss, um das irgendwie zu regulieren. Am Ende setzt Person Z mich noch auf ein anderes Mittelchen, weil er/sie die ganze Situation anders sieht. Nein danke.

So, andere Beschwerden. Ich habe mal wieder Schlafprobleme. Schlecht einschlafen, schlecht durchschlafen, kaputt aufwachen und nicht mehr einschlafen können obwohl der Wecker noch eine Stunde entfernt, oder es 6 Uhr an einem verdammten Sonntagmorgen ist. Ich schiebe das alles ein wenig auf diese unsägliche Helligkeit. Ich mag eigentlich den Frühling und den Sommer dafür, dass es länger hell ist, ja, aber momentan bringt mich das um meinen Schlaf. Hell, selbst wenn ich um 4:50 aufstehe. Hell, wenn ich gegen 21:30 ins Bett wandere. Zwischendurch, scheiße hell. Ich gehe ins Bett und mein Körper ist noch voll im „yaaaaaaay, Vitamin D produzieren! Action! Party! Der Tag ist noch jung!“-Modus. Außerdem kommt dann noch diese „es ist noch hell, du kannst noch produktiv sein“-Mentalität auf, was mich bestimmt auch ein Stück weit behindert. Ich probiere jetzt seit zwei Nächten einen Schlaftee aus und hoffe, dass so langsam die volle Wirkung einsetzt.

JP und ich hatten ein Treffen ausgemacht, sie ist nicht erschienen, weil sie den Wochentag verwechselt hat, und jetzt ist erstmal wieder Funkstille. Soll heißen ich habe gesagt, wann ich Zeit habe, und sie soll mal schauen. Ich rechne nicht mehr mit viel, muss ich zugeben. Aber es ist auch nicht schlimm. Ich hatte zwischendurch gemerkt, wie sich alte Verhaltensweisen wieder gezeigt haben, bzw. zeigen wollten, und diese unbeabsichtigte Aktion von ihr hat mich dann glücklicherweise aus der Abwärtsspirale rauskatapultiert.  Ich renne ihr nicht mehr hinterher, zu viel Cardio ist schlecht für den Muskelaufbau.

Zusammenfassend: das Leben plätschert gerade vor sich hin und es geht mir recht okay. Mir scheint jetzt nicht gerade die Sonne aus dem Allerwertesten, aber ich liege auch nicht (dauerhaft) auf dem Boden und starre die Decke an.

„Don’t need a metaphor for you to know I’m miserable“

Ich bin aus Japan zurück seit fast einer Woche. Was soll ich sagen, es war traumhaft. Leider geht es mir entsprechend jetzt umso schlechter.

Ich bin geschlagen mit einer Welle von „Ich will nicht hier sein“ und je nach Moment bedeutet ‚hier‘ entweder etwas geographisches oder dieses Leben an sich. Letzteres ist natürlich nicht gerade bombig für meine Psyche. Am Wochenende war es besonders toll. Ich lag in der Badewanne (ein Akt der Selbstfürsorge) und habe beim Gedankenspiel „Was wäre, wenn ich mich jetzt erhängen würde?“ absolut nichts gefühlt. Yay.

So viel dazu also.

Arbeitstechnisch gibt es auch ein bisschen was zu berichten. Mein Vertrag wurde um zwei Monate verlängert, und meine Doktorarbeit ist immer noch nicht abgegeben. Letzteres trägt auch zu meiner psychischen Verfassung bei, da ich einfach nur noch will, dass es vorbeigeht. Bitte. Wenn ich noch ein paar Stunden mehr auf dieses Word-Dokument starren muss, drehe ich vollends durch. Der Impuls alles hinzuwerfen und zu fliehen ist sehr groß.

Oh, und… ja, wie soll ich das sagen. Ich habe wieder Kontakt zu JP. Stellte sich heraus, dass das mit dem Vermissen sich doch nicht einfach aussitzen ließ (an dieser Stelle herzlichsten Dank an ein Musikvideo, dass den Mist losgetreten hat). ABER noch ist alles im grünen Bereich. Wir haben uns noch nicht wiedergesehen, wobei wir das schon wollen und irgendwie freie Zeit in unseren Kalendern dafür suchen. Jedoch weiß ich ziemlich genau, was für Auswirkungen es auf mich haben wird, wenn wir wieder voreinander stehen, und ich weiß noch nicht, wie gut ich das finden soll. Rational ist das natürlich absolut dämlich alles, aber mein Herz/Körper/Whatever sehnt sich gerade nach einer gewissen Art von menschlichen Nähe. Diesmal will ich die Kontrolle behalten. Diesmal will ich nicht emotional abhängig sein (gut, wollte ich vorher auch nicht, aber diesmal ist es mir ein Imperativ).

Kurz gesagt, auf der Ich-komm-klar-Skala (von 1 bis 10) bin ich gerade bei einer 5. Und die kommt auch nur durch ein paar halbwegs lichte und motivierte Momente zustande.

 

Titel aus „What’s wrong“ von PVRIS

„Even if it makes other uncomfortable, I will love who I am“

eigentlich wollte ich diesen Eintrag schon vor fast zwei Wochen schreiben, aber ich habe immer wieder etwas anderes dazwischen kommen lassen. Aber vielleicht ist es auch besser, dass es so lange gedauert hat, denn jetzt kann ich mit etwas Abstand auf das Ereignis blicken.

TRIGGERWARNUNG AN

Ich betreibe ja jetzt schon fast drei Jahre lang Bogenschießen. Dabei kann es passieren, dass wenn man nicht daran denkt, den Ellenbogen richtig rauszudrehen, einem die Sehne mit Karacho gegen die Haut knallt und so gerne auch mal blutige Spuren hinterlässt.
Vorletzten Mittwoch war ich wohl sehr unkonzentriert, denn ich habe mir leider viele schmerzhafte und blutige Striemen auf den Arm gezimmert. Glaubt mir, ich mache das nicht mit Absicht, das tut echt übelst weh und ich war noch nie Fan von Schmerzen. Allerdings erinnerte mich der Anblick an damals. Wie meine Arme aussahen, als ich mich noch geritzt habe. Und ja, ich muss leider auch zugeben, dass ich den Anblick schön fand. Auf einmal kam die Sehnsucht nach den alten Gewohnheiten auf. Noch mehr rote Wunden sehen wollen.

Passenderweise kam ich am darauffolgenden Abend nach Hause und wurde von einer Welle der Sinnlosigkeit des Seins überrollt. Mehr kann ich dazu auch gar nicht schreiben, denn ich kann mich nicht daran erinnern, wie konkret es weiterging nach diesem Schlag mitten im Treppenhaus.

TRIGGERWARNUNG AUS

Aber im Endeffekt ist das alles vorbeigegangen. Ich habe mir nichts angetan, ich bin halbwegs motiviert am Leben. Mir ist aufgefallen, dass ich mir seit fünf Jahren nichts mehr getan hab. Das werfe ich mal nicht so eben weg.

Ich habe die letzten sieben Tage damit zugebracht, meine Doktorarbeit zu korrigieren, damit ich sie morgen meinem Professor vorlegen kann. Es ist schon unglaublich, wie die Zeit so rumgeht. Mittwoch habe ich mir frei genommen, da ich zum einen nicht weiß, was ich auf der Arbeit machen soll, da die Dissertation ja erstmal aus dem Weg ist, und ich auch noch Urlaubstage hab, die ich vor Vertragsende irgendwo unterbringen muss. Donnerstag und Freitag bin ich dann auf einer Veranstaltung. Meine Kollegen werden die Woche nicht viel von mir sehen.

Kann mir dann jetzt mal jemand in den Hintern treten, damit ich mal Bewerbungen schreibe? Langsam rennt die Zeit weg, aber ich habe selbst mit Zeitproblem noch ein Motivationsproblem.

Was mir gerade eingefallen ist, was ich die letzten sieben oder mehr Tage auch sehr extensiv gemacht habe: JP vermissen. Verdammte Hacke, warum nun das schon wieder. Ich habe sogar vorm Einschlafen absichtlich viel die Gedanken um sie kreisen lassen, in der Hoffnung dass ich dann von ihr träumen würde. Was soll ich tun, ich würde sie momentan einfach gerne nur drücken. Oder eher mich drücken lassen. Keine Ahnung wie rum wahrheitsgemäßer ist.
Aber mir ist bewusst, dass ich im Grunde gerade nicht sie, sondern die schönen Momente vermisse, von daher tut es nicht wirklich weh. Ich lasse den ganzen Prozess gerade einfach passieren, schwimme ein bisschen mit den Strom und entspanne mich in dem Wissen, dass am Ende kein tiefer Wasserfall wartet, sondern ein klarer und ruhiger Bergsee.

Mehr habe ich dann auch gerade nicht zu sagen, ich geh jetzt zum Kaffee zur lieben LD.

Noch frohe Restostern euch!

 

Titel aus „Q.U.E.E.N.“ von Janelle Monáe

„This is not my punishment, this is my catalyst for growth“

Ich bin irgendwo zwischen Motivationschub und absoluter Trägheit gefangen. Gefangen im mobilen Sinne, d.h. ich pendel gerne mal wie ein wild gewordenes Eichhörnchen zwischen den beiden Extremen rum. Die eine Sekunde will ich die Welt verändern und die nächste sitze ich hier und seufze in meinen Tee. Gerade hat mich das Tief ereilt und ich seufze beim Clementinenschälen, als wäre es die zweithärteste Sache der Welt.

Die Erstfassung meiner Doktorarbeit liegt gerade bei meiner Betreuerin zum Korrekturlesen und ich weiß jetzt nicht so ganz, was ich hier an der Arbeit machen soll. Leider darf ich hier nicht streamen, sonst würde ich einfach die neue Folge von Lucifer und Brooklyn Nine-nine schauen.

Leider habe ich meine Motivationsschübe in allen Dingen, nur nicht in denen, die so richtig wichtig sind. Bewerbungen schreiben, z.B.. Aber für aktive Sexismusbekämpfung und Abriss des Patriarchats wäre ich jederzeit bereit.

Zudem macht sich gerade eine körperliche Erschöpfung breit. Die letzten zwei Wochen waren aber auch ein bisschen hektisch. Ich war in beiden Wochen jeweils Mittwoch bis Freitag auf Konferenzen, wobei ich eine davon auch mit organisiert habe. Mein Sport-Rhythmus ist ein wenig aus den Fugen, da muss ich erst einmal wieder reinkommen. Und dann war ich gestern seit längerem Mal wieder auf einem Konzert (was sehr fantastisch war und ich habe die Sängerin umarmt und ich bin glücklich okay). Dazu kommt nun auch wieder etwas, was sich am besten mit folgendem Zitat beschreiben lässt:

„I got a new drug. It’s called ‚your relationship‘ and I am high on it“

Ich verwende also jegliche Emotionalität gerade auf entweder die Beziehung von fiktionalen Charaktären oder die fiktionale (soll heißen noch nicht offizielle, ich wünsche es mir so sehr) Beziehung von realen Personen.
Ich bin also ein wenig ausgelaugt auf allen Ebenen.

ABER: Ich bemerke auch meine psychische Stärke. Ich habe heute morgen einen Vortrag gehalten und er war echt nicht gut, und meine Betreuerin hat mir entsprechend auch gesagt, dass sie enttäuscht wäre usw. Vor 3 Jahren wäre ich in Tränen ausgebrochen, jetzt lächle ich stumm und mache einfach weiter als wäre nichts. Da bin ich wirklich stolz drauf.

Ich weiß nicht, wie oft ich seit Beginn dieses Eintrags schon geseufzt habe. Aber vielleicht sieht das ja nach einer ordentlichen Nacht Schlaf schon besser aus.

 

Titel aus „World Away“ von Tonight Alive

(qualvolles Seufzen)

Ich will so oft schreiben, aber wenn ich dann alles vor mir offen habe, starre ich den weiß erleuchteten Bildschirm an und weiß nicht, was ich eigentlich tippe soll. So geht es mir mit dem Blog und auch seit seit paar Tagen mit meiner Doktorarbeit.

Am Mittwoch hatte ich nach einem halben Jahr meine letzte Therapiestunde. Je näher der Moment des Abschieds kam, desto schneller wollte ich wegrennen. Wie ein Damoklesschwert hing es über meinem Kopf. Ich kann nicht gut mit Abschieden, und geplante Lebewohle sind vermutlich das Epitom des Unangenehmen. Wie verabschiedet man sich von einem Menschen, der einen zwei Jahre lang durch die Misere begleitet hat? Den man so unglaublich tief hat blicken lassen? Auch über 72 Stunden danach weiß ich es immer noch nicht.

Mir geistert gerade wieder so viel zu dieser Begebenheit und deren Folgen durch den Kopf, ich kann es gar nicht klar fassen. Vielleicht ein anderes mal.

Ich schlafe momentan nicht gut. Naja, die letzten Nächte habe ich recht gut geschlafen, aber ich bin dann auch ab Mittwoch dazu übergegangen, mir jeden Abend die Maximaldosis Baldiran zu geben. Aber die Nächte davor waren kein Spaß. Mich treibt viel um, habe ich die Vermutung.

Ich mag gerade einfach nur liegen und die Welt vorbeiziehen lassen. So eine kleine Tourbusfahrt. Ich steig schon aus, wenn ich dazu bereit bin.

Aber natürlich steht diese Option momentan nicht zur Verfügung. Morgen ist die nächste Deadline für ein Kapitel. Von drei Unterkapiteln ist eins geschrieben. Weil ich mich die letzten Tage einfach nicht aufraffen konnte. Lieber stumpf Serien gucken. Die Motivationsloch-Stress-Stumpfheit-Spirale dreht und dreht sich. Down and down we go.

Bis mich jemand findet, liege ich hier.

Ein Buchstabe…

… trennt „schreiben“ von „schreien“. Das war so die Erkenntnis des gestrigen Tages. Und dabei war mir gestern absolut nicht zum Schreien.

Seit dem 3.1. schreibe ich nun ganz offiziell meine Doktorarbeit zusammen. Was soll ich sagen, es läuft recht gut momentan. Die ersten zwei Kapitel sind pünktlich zur Deadline fertig geworden, am dritten sitze ich seit vorgestern und es sind schon 7,5 Seiten geschrieben. In genau diesem Moment prokrastiniere ich gerade, zugegeben. Aber Literaturrecherche ist nun mal einfach öde und entsprechend ätzend.

Meine Dosis ist nun auch wieder bei den altbewehrten 5 mg. Der Weg dorthin war irgendwie doppelt unangenehm, auch wenn es mir nicht peinlich sein sollte. Da ich telefonisch in der Praxis nicht durchgekommen bin, habe ich eine Email mit meinem Anliegen geschrieben. Ich bin davon ausgegangen, dass diese Email fast ausschließlich von den Arzthelferinnen gelesen werden, aber ich bekam eine Antwort direkt von meinem Psychiater. War mir schon unangenehm. Dass er dann genau in dem Moment hinter dem Tresen steht, als ich komme, um mir das neue Rezept zu holen, war mir dann doppelt peinlich. Hätte doch auch gereicht, dass ich ihm beim nächsten planmäßigen Termin mit meiner „Niederlage“ unter die Augen treten muss.

Ja ich weiß, so soll ich das nicht sehen, das ist keine Niederlage, jadda jadda jadda. Ich weiß. Es ist mir trotzdem unangenehm.

ABER: Jetzt geht es mir wieder besser und ich nähere mich auch so langsam wieder meinen Freuden/Kollegen an, von denen ich mich die letzten 2-3 Wochen abgeschottet habe. Ich schaue zuversichtlich allem entgegen.

Apropos, vom Auswärtigen Amt habe ich wie erwartet eine Absage bekommen, und das ist okay. Ich war mittlerweile an dem Punkt angelangt, bei dem ich in eine zweitägige Schockstarre mit anschließender Panik verfallen wäre, hätte ich eine Zusage bekommen.

Leider heißt das natürlich auch, dass meine Zukunft immer noch in der Schwebe hängt. Allerdings bin ich schon beim Arbeitsamt gemeldet, also werde ich zumindest geldtechnisch rechtzeitig versorgt werden. Nur mein Ego wird es nicht so gut vertragen, wenn ich übermäßig lange arbeitlos bin. Möge es mir als Antrieb dienen. Exklusive heute habe ich noch 58 Arbeitstage (Urlaubstage schon abgezogen), es wird langsam Zeit zu suchen.

Die Frage ist nur leider immer noch, wann ich die Zeit dafür haben soll, wenn ich meine 7 Stunden Schlaf und einen Hauch von Freizeit haben will. Leider besteht meine Freizeit halt auch aus 4mal Sport (à etwas über eine Stunde), 3 Stunden Finnischkurs, 1 Stunde Gesangsunterricht, und bald wieder 1.5 Stunden Bogenschießen pro Woche. Hups. Die übrigen Stunden sollten natürlich auf die Doktorarbeit verwendet werden, denkt zumindest die Obrigkeit.

Ich jammere auf hohem Niveau und sollte eigentlich weiter Literatur wälzen.

Vorher muss ich aber noch kurz loswerden, dass mein nächster Urlaub nach Japan geht! Aaaah ick freu mir!

Und der muss auch noch detaillierter geplant werden. Fuck.

„Hey baby I’m not your superhuman“

Frohes neues Jahr, oder so ähnlich.

Gerade habe ich den Punkt erreicht, an dem ich einfach nur noch auf dem Boden liegen und an die Decke starren möchte. Ich sehe einen Berg an Dingen vor mir und anstatt motiviert eins nach dem anderen abzuhaken, stehe ich hier und verfalle in Schockstarre. Und fühle mich schlecht darüber.

Seit vorgestern bin ich bei nur noch 1 mg Escitalopram und hoffe inständig, dass mein Therapeut mich nicht vergisst. Da sollte doch bald der Anruf kommen für die letzte Sitzung. Bitte schnell. Gerade ist so der Moment, in dem ich aufrichtige Zweifel habe, ob ich es ohne Medikament und Therapie schaffen kann. Okay, ohne Therapie vielleicht, aber ohne das Medikament…? Soll diese „Stimmung“, die sich seit Tagen Stück für Stück einstellt, wieder vollkommen zurück sein und bleiben? Ich kann so nicht arbeiten.

Gerade sollte ich am besten Tag und Nacht damit verbringen, meine Doktorarbeit zu schreiben, aber ich sitze an meinem Büroplatz und starre, seufze, spiele vor mich hin. Obwohl die Deadline für das erste Kapitel schon fast greifbar ist, kann ich mich gerade dazu aufraffen, mit der Formatierung rumzuspielen. Vielleicht war es doch keine gute Idee komplett runterzudosieren, wenn mein Abschluss vor der Tür steht, und ich noch einmal alles aus mir rausholen muss.

Es ist irgendwie so überwältigend gerade. Die Doktorarbeit muss geschrieben werden, und das besser gestern als heute. Ich muss mich um einen neuen Job kümmern, damit ich ab Mitte Mai nicht für lange Zeit arbeitslos dastehe. Ich muss… nein, die anderen Dinge, die meine Zeit beanspruchen, muss ich nicht tun. Aber ich möchte sie tun, da sie mich aufrecht halten.

Vielleicht sollte ich mir doch mal ein Buch über Motivation und Zeitmanagement zulegen. Vor allem Motivation. Wie ich mir selbst vorgaukeln kann, dass mir Spaß macht, was ich machen sollte. Wie ich generell Spaß empfinden kann. Der Satz zieht mich jetzt noch weiter runter.

Zusammengefasst. Ich bin matt, schwach, dünnhäutig, mache nicht, was ich soll, und flüchte mich in Fanfiction-Welten.

 

Titel aus „Idle Worship“ von Paramore