„Even if it makes other uncomfortable, I will love who I am“

eigentlich wollte ich diesen Eintrag schon vor fast zwei Wochen schreiben, aber ich habe immer wieder etwas anderes dazwischen kommen lassen. Aber vielleicht ist es auch besser, dass es so lange gedauert hat, denn jetzt kann ich mit etwas Abstand auf das Ereignis blicken.

TRIGGERWARNUNG AN

Ich betreibe ja jetzt schon fast drei Jahre lang Bogenschießen. Dabei kann es passieren, dass wenn man nicht daran denkt, den Ellenbogen richtig rauszudrehen, einem die Sehne mit Karacho gegen die Haut knallt und so gerne auch mal blutige Spuren hinterlässt.
Vorletzten Mittwoch war ich wohl sehr unkonzentriert, denn ich habe mir leider viele schmerzhafte und blutige Striemen auf den Arm gezimmert. Glaubt mir, ich mache das nicht mit Absicht, das tut echt übelst weh und ich war noch nie Fan von Schmerzen. Allerdings erinnerte mich der Anblick an damals. Wie meine Arme aussahen, als ich mich noch geritzt habe. Und ja, ich muss leider auch zugeben, dass ich den Anblick schön fand. Auf einmal kam die Sehnsucht nach den alten Gewohnheiten auf. Noch mehr rote Wunden sehen wollen.

Passenderweise kam ich am darauffolgenden Abend nach Hause und wurde von einer Welle der Sinnlosigkeit des Seins überrollt. Mehr kann ich dazu auch gar nicht schreiben, denn ich kann mich nicht daran erinnern, wie konkret es weiterging nach diesem Schlag mitten im Treppenhaus.

TRIGGERWARNUNG AUS

Aber im Endeffekt ist das alles vorbeigegangen. Ich habe mir nichts angetan, ich bin halbwegs motiviert am Leben. Mir ist aufgefallen, dass ich mir seit fünf Jahren nichts mehr getan hab. Das werfe ich mal nicht so eben weg.

Ich habe die letzten sieben Tage damit zugebracht, meine Doktorarbeit zu korrigieren, damit ich sie morgen meinem Professor vorlegen kann. Es ist schon unglaublich, wie die Zeit so rumgeht. Mittwoch habe ich mir frei genommen, da ich zum einen nicht weiß, was ich auf der Arbeit machen soll, da die Dissertation ja erstmal aus dem Weg ist, und ich auch noch Urlaubstage hab, die ich vor Vertragsende irgendwo unterbringen muss. Donnerstag und Freitag bin ich dann auf einer Veranstaltung. Meine Kollegen werden die Woche nicht viel von mir sehen.

Kann mir dann jetzt mal jemand in den Hintern treten, damit ich mal Bewerbungen schreibe? Langsam rennt die Zeit weg, aber ich habe selbst mit Zeitproblem noch ein Motivationsproblem.

Was mir gerade eingefallen ist, was ich die letzten sieben oder mehr Tage auch sehr extensiv gemacht habe: JP vermissen. Verdammte Hacke, warum nun das schon wieder. Ich habe sogar vorm Einschlafen absichtlich viel die Gedanken um sie kreisen lassen, in der Hoffnung dass ich dann von ihr träumen würde. Was soll ich tun, ich würde sie momentan einfach gerne nur drücken. Oder eher mich drücken lassen. Keine Ahnung wie rum wahrheitsgemäßer ist.
Aber mir ist bewusst, dass ich im Grunde gerade nicht sie, sondern die schönen Momente vermisse, von daher tut es nicht wirklich weh. Ich lasse den ganzen Prozess gerade einfach passieren, schwimme ein bisschen mit den Strom und entspanne mich in dem Wissen, dass am Ende kein tiefer Wasserfall wartet, sondern ein klarer und ruhiger Bergsee.

Mehr habe ich dann auch gerade nicht zu sagen, ich geh jetzt zum Kaffee zur lieben LD.

Noch frohe Restostern euch!

 

Titel aus „Q.U.E.E.N.“ von Janelle Monáe

Advertisements

„This is not my punishment, this is my catalyst for growth“

Ich bin irgendwo zwischen Motivationschub und absoluter Trägheit gefangen. Gefangen im mobilen Sinne, d.h. ich pendel gerne mal wie ein wild gewordenes Eichhörnchen zwischen den beiden Extremen rum. Die eine Sekunde will ich die Welt verändern und die nächste sitze ich hier und seufze in meinen Tee. Gerade hat mich das Tief ereilt und ich seufze beim Clementinenschälen, als wäre es die zweithärteste Sache der Welt.

Die Erstfassung meiner Doktorarbeit liegt gerade bei meiner Betreuerin zum Korrekturlesen und ich weiß jetzt nicht so ganz, was ich hier an der Arbeit machen soll. Leider darf ich hier nicht streamen, sonst würde ich einfach die neue Folge von Lucifer und Brooklyn Nine-nine schauen.

Leider habe ich meine Motivationsschübe in allen Dingen, nur nicht in denen, die so richtig wichtig sind. Bewerbungen schreiben, z.B.. Aber für aktive Sexismusbekämpfung und Abriss des Patriarchats wäre ich jederzeit bereit.

Zudem macht sich gerade eine körperliche Erschöpfung breit. Die letzten zwei Wochen waren aber auch ein bisschen hektisch. Ich war in beiden Wochen jeweils Mittwoch bis Freitag auf Konferenzen, wobei ich eine davon auch mit organisiert habe. Mein Sport-Rhythmus ist ein wenig aus den Fugen, da muss ich erst einmal wieder reinkommen. Und dann war ich gestern seit längerem Mal wieder auf einem Konzert (was sehr fantastisch war und ich habe die Sängerin umarmt und ich bin glücklich okay). Dazu kommt nun auch wieder etwas, was sich am besten mit folgendem Zitat beschreiben lässt:

„I got a new drug. It’s called ‚your relationship‘ and I am high on it“

Ich verwende also jegliche Emotionalität gerade auf entweder die Beziehung von fiktionalen Charaktären oder die fiktionale (soll heißen noch nicht offizielle, ich wünsche es mir so sehr) Beziehung von realen Personen.
Ich bin also ein wenig ausgelaugt auf allen Ebenen.

ABER: Ich bemerke auch meine psychische Stärke. Ich habe heute morgen einen Vortrag gehalten und er war echt nicht gut, und meine Betreuerin hat mir entsprechend auch gesagt, dass sie enttäuscht wäre usw. Vor 3 Jahren wäre ich in Tränen ausgebrochen, jetzt lächle ich stumm und mache einfach weiter als wäre nichts. Da bin ich wirklich stolz drauf.

Ich weiß nicht, wie oft ich seit Beginn dieses Eintrags schon geseufzt habe. Aber vielleicht sieht das ja nach einer ordentlichen Nacht Schlaf schon besser aus.

 

Titel aus „World Away“ von Tonight Alive

(qualvolles Seufzen)

Ich will so oft schreiben, aber wenn ich dann alles vor mir offen habe, starre ich den weiß erleuchteten Bildschirm an und weiß nicht, was ich eigentlich tippe soll. So geht es mir mit dem Blog und auch seit seit paar Tagen mit meiner Doktorarbeit.

Am Mittwoch hatte ich nach einem halben Jahr meine letzte Therapiestunde. Je näher der Moment des Abschieds kam, desto schneller wollte ich wegrennen. Wie ein Damoklesschwert hing es über meinem Kopf. Ich kann nicht gut mit Abschieden, und geplante Lebewohle sind vermutlich das Epitom des Unangenehmen. Wie verabschiedet man sich von einem Menschen, der einen zwei Jahre lang durch die Misere begleitet hat? Den man so unglaublich tief hat blicken lassen? Auch über 72 Stunden danach weiß ich es immer noch nicht.

Mir geistert gerade wieder so viel zu dieser Begebenheit und deren Folgen durch den Kopf, ich kann es gar nicht klar fassen. Vielleicht ein anderes mal.

Ich schlafe momentan nicht gut. Naja, die letzten Nächte habe ich recht gut geschlafen, aber ich bin dann auch ab Mittwoch dazu übergegangen, mir jeden Abend die Maximaldosis Baldiran zu geben. Aber die Nächte davor waren kein Spaß. Mich treibt viel um, habe ich die Vermutung.

Ich mag gerade einfach nur liegen und die Welt vorbeiziehen lassen. So eine kleine Tourbusfahrt. Ich steig schon aus, wenn ich dazu bereit bin.

Aber natürlich steht diese Option momentan nicht zur Verfügung. Morgen ist die nächste Deadline für ein Kapitel. Von drei Unterkapiteln ist eins geschrieben. Weil ich mich die letzten Tage einfach nicht aufraffen konnte. Lieber stumpf Serien gucken. Die Motivationsloch-Stress-Stumpfheit-Spirale dreht und dreht sich. Down and down we go.

Bis mich jemand findet, liege ich hier.

Ein Buchstabe…

… trennt „schreiben“ von „schreien“. Das war so die Erkenntnis des gestrigen Tages. Und dabei war mir gestern absolut nicht zum Schreien.

Seit dem 3.1. schreibe ich nun ganz offiziell meine Doktorarbeit zusammen. Was soll ich sagen, es läuft recht gut momentan. Die ersten zwei Kapitel sind pünktlich zur Deadline fertig geworden, am dritten sitze ich seit vorgestern und es sind schon 7,5 Seiten geschrieben. In genau diesem Moment prokrastiniere ich gerade, zugegeben. Aber Literaturrecherche ist nun mal einfach öde und entsprechend ätzend.

Meine Dosis ist nun auch wieder bei den altbewehrten 5 mg. Der Weg dorthin war irgendwie doppelt unangenehm, auch wenn es mir nicht peinlich sein sollte. Da ich telefonisch in der Praxis nicht durchgekommen bin, habe ich eine Email mit meinem Anliegen geschrieben. Ich bin davon ausgegangen, dass diese Email fast ausschließlich von den Arzthelferinnen gelesen werden, aber ich bekam eine Antwort direkt von meinem Psychiater. War mir schon unangenehm. Dass er dann genau in dem Moment hinter dem Tresen steht, als ich komme, um mir das neue Rezept zu holen, war mir dann doppelt peinlich. Hätte doch auch gereicht, dass ich ihm beim nächsten planmäßigen Termin mit meiner „Niederlage“ unter die Augen treten muss.

Ja ich weiß, so soll ich das nicht sehen, das ist keine Niederlage, jadda jadda jadda. Ich weiß. Es ist mir trotzdem unangenehm.

ABER: Jetzt geht es mir wieder besser und ich nähere mich auch so langsam wieder meinen Freuden/Kollegen an, von denen ich mich die letzten 2-3 Wochen abgeschottet habe. Ich schaue zuversichtlich allem entgegen.

Apropos, vom Auswärtigen Amt habe ich wie erwartet eine Absage bekommen, und das ist okay. Ich war mittlerweile an dem Punkt angelangt, bei dem ich in eine zweitägige Schockstarre mit anschließender Panik verfallen wäre, hätte ich eine Zusage bekommen.

Leider heißt das natürlich auch, dass meine Zukunft immer noch in der Schwebe hängt. Allerdings bin ich schon beim Arbeitsamt gemeldet, also werde ich zumindest geldtechnisch rechtzeitig versorgt werden. Nur mein Ego wird es nicht so gut vertragen, wenn ich übermäßig lange arbeitlos bin. Möge es mir als Antrieb dienen. Exklusive heute habe ich noch 58 Arbeitstage (Urlaubstage schon abgezogen), es wird langsam Zeit zu suchen.

Die Frage ist nur leider immer noch, wann ich die Zeit dafür haben soll, wenn ich meine 7 Stunden Schlaf und einen Hauch von Freizeit haben will. Leider besteht meine Freizeit halt auch aus 4mal Sport (à etwas über eine Stunde), 3 Stunden Finnischkurs, 1 Stunde Gesangsunterricht, und bald wieder 1.5 Stunden Bogenschießen pro Woche. Hups. Die übrigen Stunden sollten natürlich auf die Doktorarbeit verwendet werden, denkt zumindest die Obrigkeit.

Ich jammere auf hohem Niveau und sollte eigentlich weiter Literatur wälzen.

Vorher muss ich aber noch kurz loswerden, dass mein nächster Urlaub nach Japan geht! Aaaah ick freu mir!

Und der muss auch noch detaillierter geplant werden. Fuck.

„Hey baby I’m not your superhuman“

Frohes neues Jahr, oder so ähnlich.

Gerade habe ich den Punkt erreicht, an dem ich einfach nur noch auf dem Boden liegen und an die Decke starren möchte. Ich sehe einen Berg an Dingen vor mir und anstatt motiviert eins nach dem anderen abzuhaken, stehe ich hier und verfalle in Schockstarre. Und fühle mich schlecht darüber.

Seit vorgestern bin ich bei nur noch 1 mg Escitalopram und hoffe inständig, dass mein Therapeut mich nicht vergisst. Da sollte doch bald der Anruf kommen für die letzte Sitzung. Bitte schnell. Gerade ist so der Moment, in dem ich aufrichtige Zweifel habe, ob ich es ohne Medikament und Therapie schaffen kann. Okay, ohne Therapie vielleicht, aber ohne das Medikament…? Soll diese „Stimmung“, die sich seit Tagen Stück für Stück einstellt, wieder vollkommen zurück sein und bleiben? Ich kann so nicht arbeiten.

Gerade sollte ich am besten Tag und Nacht damit verbringen, meine Doktorarbeit zu schreiben, aber ich sitze an meinem Büroplatz und starre, seufze, spiele vor mich hin. Obwohl die Deadline für das erste Kapitel schon fast greifbar ist, kann ich mich gerade dazu aufraffen, mit der Formatierung rumzuspielen. Vielleicht war es doch keine gute Idee komplett runterzudosieren, wenn mein Abschluss vor der Tür steht, und ich noch einmal alles aus mir rausholen muss.

Es ist irgendwie so überwältigend gerade. Die Doktorarbeit muss geschrieben werden, und das besser gestern als heute. Ich muss mich um einen neuen Job kümmern, damit ich ab Mitte Mai nicht für lange Zeit arbeitslos dastehe. Ich muss… nein, die anderen Dinge, die meine Zeit beanspruchen, muss ich nicht tun. Aber ich möchte sie tun, da sie mich aufrecht halten.

Vielleicht sollte ich mir doch mal ein Buch über Motivation und Zeitmanagement zulegen. Vor allem Motivation. Wie ich mir selbst vorgaukeln kann, dass mir Spaß macht, was ich machen sollte. Wie ich generell Spaß empfinden kann. Der Satz zieht mich jetzt noch weiter runter.

Zusammengefasst. Ich bin matt, schwach, dünnhäutig, mache nicht, was ich soll, und flüchte mich in Fanfiction-Welten.

 

Titel aus „Idle Worship“ von Paramore

„the end is just a point where it starts again“

Generell wird die zweite Dezemberhälfte als Zeit der Andacht gehandelt. Man solle zurückblicken und sich darauf besinnen, was wirklich wichtig sei im Leben. Nun denn. Zeit zum Nachdenken hatte ich genug zwischen den Jahren. Ich hatte keinen persönlichen Kontakt zu irgendwem, und auch sonstige Kommunikationswege wurden auch nur recht spärlich benutzt. Ich hatte  eine Woche ganz für mich allein und zum Nachdenken.

Jetzt, da es keine 11 Stunden mehr bis zum neuen Jahr sind, und ich wieder Silvester allein verbringen „muss“, stellt sich mir die Frage, warum überhaupt so ein großes Aufheben um diese eine Nacht gemacht wird. Ich nehme mich davon nicht aus, für mich war und ist Silvester weitaus wichtiger als Weihnachten. Das liegt vermutlich daran, dass Silvester irgendwie das Weihnachten für Freunde ist. Es macht mich traurig, das neue Jahr ohne Menschen, die mir wichtig sind, zu beginnen. Vermutlich versuche ich daher jetzt auch den ganzen Trubel um diese Nacht wegzurationalisieren.

Warum wird dies so groß gefeiert? Es ist die ganze Philosophie des Neubeginnens, die alle in Euphorie versetzt. Das alte Jahr geht, ein Jahr, dass einen immer furchtbar behandelt hat (jedes Jahr auf’s Neue), was vor einem liegt ist ein unbeschriebenes Blatt, das einem alle erdenklichen Möglichkeiten offen lässt. Und das ist eigentlich der Punkt, an dem jeder halbwegs vernunftsbegabte Mensch erkennen dürfte, dass die Menschheit sich da einfach selbst etwas vormacht.

Morgen, am 1.1.2018, werden 99,999% der Menschen immer noch in der gleichen familiären, beruflichen, körperlichen, sozialen Situation sein wie am Vorabend auch. Im Grunde werden alle guten wie schlechten Sachen postwendend mit ins nächste Jahr genommen. Da ist nichts mit „clean slate“ und „tabula rasa“. Es wird nicht irgendwo im Universum auf einen Knopf gedrückt, der alles bisher geschehene nichtig macht.

Vielen Menschen ist das allerdings bewusst, wobei dann die guten Vorsätze ins Spiel kommen. „Dieses Jahr wird alles anders!“ werden sie plakatieren. (Ex-)Studierende kennen das vielleicht noch mit „dieses Semester wird alles anders!“ und wissen auch, wie gut das immer funktioniert hat. Ich schließe mich da mit ein. Und dann wird zum nächsten Jahr/Semester derselbe Vorsatz noch einmal gefasst, da man schon nach drei Wochen eingeknickt ist, und dann alles hingeworfen hat in Frustration.

Jeder Tag ist ein Jahresbeginn. 365,25 Tage später ist man genau wieder an dem Punkt in der Erdumlaufbahn angekommen. Unter diesem Aspekt ist Silvester/Neujahr nicht anders als jeder andere Tag auch. Der Mensch hat sich den Kalender so geschaffen, wie er jetzt ist. Vor einigen hundert Jahren waren es nur zehn Monate statt zwölf. Dieses ganze System ist nichts festes, es ist rein menschgemacht. Es ist im Grunde purer Zufall, dass heute 2017 endet, und nicht schon vor 25 Tagen oder erst in 67 Tagen.

Aber diese kleine Änderung in der Jahreszahl erweckt den Eindruck etwas völlig neuen und unberührten. Vielleicht habe ich deshalb noch nie etwas von den guten Vorsätzen gehalten. Mal davon abgesehen, dass Vorsätze nur Schall und Rauch sind, ihr ganzer Tonus ist lediglich „Ich möchte/versuche/werde“. Was es braucht, sind mehr „ich mache“.

Was ich im Endeffekt sagen will: Silvester ist wie jeder Tag auch, nur mit mehr (menschgemachtem) Hype und (menschgemachtem) Feuerwerk. Um etwas Neues zu beginnen braucht es diesen Ritus nicht, sondern lediglich Willen und Durchhaltevermögen. Das Universum schert sich einen Dreck darum, welchen Tag wir heute oder morgen nach unserer Zeitrechnung schreiben.

 

Titel aus „Circles“ von Jenix

„Tage im Kalender schwärzen, bis die Augenränder schmerzen“

„Mein Visier ist beschlagen, Kopf und Kragen fragen jeden Tag wie’s mir wohl gehen mag. Ich sage nichts, schließ die Augen, atme ein, zähl bis zehn, atme aus, Augen auf. Wie soll es mir schon gehen?“

Es wird langsam auffällig, wieviel Jennifer Rostock ich hier zitiere. Aber wenn es nun mal stimmt?
Ich mag Weihnachten nicht. Es hatte seinen Zauber spätestens dann verloren, als an Heiligabend nur noch meine Mutter und ich am Tisch saßen, und mir aber schon bewusst war, wie sehr mich ihre Anwesenheit stört. Vor allem an diesem Abend war es immer eine unglaubliche emotionale Belastung für mich. Es war immerhin Heiligabend, da konnte ich mich nicht direkt nach der Bescherung in mein Zimmer zurückziehen und sie alleine auf der Couch sitzen lassen. Und so musste ich irgendwie die Zeit mit ihr rumbringen, bis es angemessen war, ins Bett zu gehen. Im Grunde stand ich den ganzen Abend unter Spannung und habe hilfesuchend zur Uhr geschaut. Die Uhr war doof und wollte nicht helfen.
Alle Jahre wieder. Glücklicherweise bin ich im Grunde nicht lange mit ihr allein. Vielleicht geht es erstmal zu meinem Opa, sobald sie mich vom Bahnhof aufgelesen hat, dann gibt es halt das übliche Weihnachtsprozedere. Am nächsten Tag geht es mittags bereits Essen mit meiner Tante und ihrem Mann (noch so jemand, den ich nicht um mich brauch), danach werde ich bei meiner besten Freundin abgeliefert, von der aus ich am nächsten Morgen auch schon wieder nach Hause aufbreche. Also nicht mal 48 Stunden in der Heimat. Grund für diesen Blitzaufenthalt ist zum einen, dass ich die Katzen nicht länger als das allein in der Wohnung lassen kann, und zum anderen dachte ich zum Buchungszeitpunkt ja, ich würde auch noch mit JH ein bisschen Weihnachten verbringen. Der Punkt hat sich ja erledigt.

Gestern war ein sehr seltsamer Tag an der Arbeit. Generell war diese Woche schon seltsam, da mit jedem weiteren Tag immer weniger Leute da waren, und es gestern nun fast komplett ausgestorben war. Es war eine sehr seltsame Atmosphäre, zumindest für mich. Als ich gehen wollte, wurde ich auf einmal von einer riesigen Welle der Traurigkeit überrollt, die sich fast schon final anfühlte. Als wäre es kein Abschied bis nächstes Jahr, sondern für immer. Dann packte mich die Angst, ob ich hier gerade eine Vorahung habe und den 2.1.2018 nicht mehr erleben werde. Es war einfach alles sehr gruselig auf einmal.

Mir geht zur Zeit viel im Kopf rum, und davon ist leider wohl nur ein geringer Bruchteil das, mit dem ich mich wirklich beschäftigen sollte (*hust* Doktorarbeit *hust*). JP ist so präsent, dass ich es nicht mal mehr als „im Hinterkopf“ bezeichnen kann, das Grauen vor Weihnachten, die Unzufriedenheit, dass ich mich nicht für meine Arbeit aufraffen kann, und so manche Sachen, die ich bisher gar nicht in Worte fassen kann. Meine Escitalopram-Dosis ist ab Dienstag bei 2 mg, theoretisch sollte am 23.1. mein erster Tag ohne Medikament sein – nach über 2,5 Jahren. Und ich warte sehnsüchtig darauf, dass mein Therapeut sich wegen der letzten ausstehenden Sitzung meldet.

Zusammengefasst könnte man sagen, dass  es mir gerade nicht so schlecht wie zum Zeitpunkt des letzten Eintrages geht, aber die Schwere in der Brust ist immer noch da. Jetzt ist es war kein weißglühender Wutball mehr, dafür aber ein schwarzer Ball aus Blei. Vielleicht bringt mir ja das nächste Jahr eine frei Brust und freien Atem.
_____________________

Meine lieben Leser,
da ich mich vermutlich zwischen den Jahren irgendwie verkriechen werde (es sei denn, es passiert etwas so wichtiges, dass ich einfach schreiben muss), möchte ich mich bei allen für ihre lieben Kommentare und ihre Unterstützung dieses Jahr bedanken. Ich wünsche euch allen ein möglichst angenehmes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue und hoffentlich bessere Jahr. Wir schaffen das schon irgendwie, haltet die Ohren steif!

Eure Sabrina

 

Titel aus „Baukräne“ von Jennifer Rostock
Anfangstext aus „Du nimmst mir die Angst“ von Jennifer Rostock

„In meinem Kopf macht’s tick tick“

Da ist er, ein Tiefpunkt. Hallo Kleiner, lange nicht mehr gesehen. Mensch, bist du groß geworden!

Da war er. Der Punkt, an dem ich dachte, dass ich nach Hause fahre, weil meine Psyche gerade irgendwo unterm Kellergeschoss hängt. Alles fällt wieder einmal wunderbar zusammen.

  1.  Ich vermisse JH. Ich frage mich wirklich, ob es eine Fehlentscheidung war, mich von ihm zu trennen. Die Gefühle scheinen ja doch irgendwie noch da zu sein, sonst würde ich ihn ja jetzt doch nicht vermissen. Oder ich leide einfach, weil ich weiß, dass er leidet und zu allem Überfluss noch wegen mir? Wenn ich jetzt wieder auf ihn zukommen würde, würde er mich mit offenen Armen willkommen heißen, ich weiß. Auf kurze Sicht schön, aber auf lange Sicht, würde sich doch nur alles wiederholen und ich würde ihm ein zweites Mal das Herz brechen. Das will ich uns beiden nicht noch einmal antun. Deswegen muss ich jetzt stark sein und die Konsequenzen meiner Entscheidung aushalten. Auch wenn es mich quält.
  2. JP spukt auch wieder seit geraumer Zeit in meinem Kopf rum, da ich mitbekommen habe, dass sie meine Instagram-Stories ansieht.  Wieder musste ich so viel an sie denken. Dann hat sie am Samstag meinen einen Post mit einem Herz versehen, wovon sie ja definitiv weiß, dass ich das mitbekomme. Ich bekam so viel Kopfkino, habe so viel über sie nachgedacht. Ich hab die Reißleine gezogen und sie auf Instagram (das letzte Kontaktmedium, das wir noch hatten) blockiert. Heute Vormittag dann habe ich die Blockierung wieder aufgehoben, weil so ein dämlicher Teil von mir dachte, das wäre eine gute Idee. Im Zuge dessen habe ich dann gesehen, dass sie mich wohl in Retoure blockiert hat. Und daraufhin kam der Sturz ins Loch. Weil ich immer noch nicht mit „Zurückweisungen“ von manchen Menschen umgehen kann, wie’s scheint.
  3. Meine Mutter war übers Wochenende da. Ich glaube, ich muss nicht weiter ausführen, was das für ein Stress und eine Zerreißprobe für mich ist/war.
  4. Ich hab meine Tage.

Jetzt sitze ich hier an meinem Platz mit Kopfhörern inklusive „Kirchenatmosphäre“ auf den Ohren und überlege, ob ich die nächsten Tage nicht einfach daheim bleiben soll. Ich will wirklich nichts mehr außer herumliegen und an die Decke starren. Und warten, dass es vorbeigeht.
Das passt so super, dass morgen meine Escitaopramdosis wieder um eins runtergesetzt wird auf 3 mg. Ich will meine Therapie. Ich will, dass all diese Gefühle endlich mal die Klappe halten. Für immer.

 

Titel aus „Ich kann nicht schlafen“ von Amanda

„Diese scheiß Wut, Weißglut, brennt wie ein Geschwür“

„Ich nehm‘ die letzte Bahn, wieder diese Strecke fahren
Zuhause Decke über’n Kopf und an die Decke starren
Der Schlüssel steckt, ich sperr dich aus, doch es ist zu spät“

Flucht. Freie Flucht nach vorn. Oder nach hinten? Ich weiß es nicht mehr, weiß nicht wo was ist. Das einzige, was ich weiß, ist, dass ich weg muss. Es hallt in meinem Kopf.

Weg. Weg. Weg.

Ich fühle mich wie ein in die Ecke gedrängtes Tier. Alles prasselt auf mich ein. Keiner hört das Jaulen. Ich kauere. Zittere. Nicht vor Angst, sondern vor Anspannung und Wut.

Weg. Weg. Weg.

Bald schnappe ich um mich. Beiße. Zerreiße.
__________

Warum bin ich nur so wütend geworden? Ich habe 25 Jahre meines Lebens keine Wut empfunden, habe alles entweder mit Gelassenheit oder Demut über mich ergehen lassen. Jetzt glüht seit ca. zwei Wochen ein weißer Zwergstern in meiner Brust, der mich fast in den Wahnsinn treibt. Ich fühle mich wie ein Seil, dass kurz vorm Reißen ist. Jeder sich dämlich anstellende Passant könnte mich zum Platzen bringen.

Auch macht meine Vorstellungskraft, was sie will. Ich konnte mir ja schon immer  blitzschnell vorstellen, wie eine Situation maximal schlimm werden kann, aber ich habe es als simple Vorstellung erkannt. Jetzt gerate ich so in diese potentielle Situation rein, dass es sich anfühlt, als wäre sie schon geschehen. Und irgendwann erreiche ich den Punkt, an dem ich es auch glaube. Auf einmal kann ich mir richtig professionell selbst Sachen erfinden und sie als Wahrheit akzeptieren. Leider passiert das momentan nur mit Dingen, die mich furchtbar wütend machen, sodass dieser Zwergstern wächst und wächst und ich am liebsten um mich schlagen würde. Permanent. Einfach mit wild rotierenden Armen durch die Gegend laufen.

Es ist alles zu viel. Ich will einfach nur weg. Lasst mich bitte einfach nur liegen und die Welt ausblenden. Ich pack es gerade nicht mehr.

Wir fahren gerade meine Escitalopram Dosis in 1 mg Schritten (alle zwei Wochen) von 5 mg runter auf 0. Vor zwei Wochen habe ich meinem Psychiater noch gesagt, dass wir nicht noch den Winter abwarten müssten, da ich mich echt stabil finde und auch die Dunkelheit mir nichts ausmacht. Jetzt hätte ich gerne wieder meine Originaldosis von 10 mg. Ich habe Angst, außer Kontrolle zu geraten. Dass ich ein Haufen aus Wut und vielleicht auch aus Depression werde. Und dann ist da noch diese Sache mit dem erfundene Situationen für wahr halten.

Ich möchte zurück in die Therapie. Ich möchte von Herrn K hören, dass mein Empfinden Sinn macht und woher es kommt.

Gewissheit. Ruhe. Bitte.

Meine Synapsen feuern wild und ich kann nichts außer die Hände auf die Ohren pressen und mich einrollen. Was natürlich gar nichts bringt. Und zum ersten Mal in sehr sehr langer Zeit, möchte ich mein Blut sehen.

 

Titel aus: Jennifer Rostock – In den Sturm
Text am Anfang aus: Jennifer Rostock – Schlaflos

„Du fragst mich nur, wie mein Tag so war, und schon geht mir das Messer in der Tasche auf“

Es ist zu viel. Ich glaube, ich muss diese Beziehung beenden. Es ist nicht Sinn der Sache, dass jedes kleine Zucken von JH mich nervt. Ich hatte gehofft, dass es besser wird, dass es nur eine Phase Anfang des Monats war, die durch Stress bedingt war, und zwischendurch gab es immer mal so kleine Momente, die Besserung versprochen haben, aber sie reichen einfach nicht mehr. Vor allem, da die erhoffte Besserung doch nicht eintritt.

Ich mag ihm nicht mal Vorwürfe machen, da er sich ganz normal und typisch verhält, aber ich reagiere einfach so anders und empfindlich auf gewisse Dinge, und dies wird jetzt zum Verhängnis.

Er ist so präsent, ich habe keinerlei Chance ihn auch nur ansatzweise vermissen zu können. Ständig eine „Gute Morgen“ und „Gute Nacht“ Nachricht, ständig irgendwelche Emojis, ständig irgendwas in die Richtung „ich denke gerade an/vermisse dich“. Schön, ich aber nicht. Dann fühle ich mich zu allem Überfluss noch schlecht, weil ich so emotionslos drauf bin.
Egal wie weit ich mich zurückziehe, oder es versuche, egal wie wenig ich antworte, es hört von seiner Seite nicht auf. Und anstatt meine eigentlich offensichtliche Distanz mal anzusprechen, wird einfach fröhlich weiter gemacht.  Was soll das? Schluckst du einfach alles runter, weil du Angst hast, einen schlafenden Drachen zu wecken, oder merkst du’s einfach selbst nicht?
Der Drache ist schon lange wach. Weil der Drache ein Verhalten sieht, was ihn an sich selbst in der Vergangenheit erinnert, und das überhaupt nicht gut findet.

Es herrscht ein massives Gefühlsungleichgewicht in dieser Beziehung. Er liebt mich. Ich bin mir mittlerweile sehr sicher, dass ich ihn nicht liebe. Er ist mir wichtig und ich mag ihn, aber jegliche Art von romantischen Gefühlen entgleitet mir langsam. Mit jeder Emotionsbekundung von ihm, möchte ich weiter weg. Jedes seiner Lippenbekenntnisse führt mir vor Augen, was ich nicht fühle, und welchen Stellenwert er mir zumisst und welche Erwartungen er an mich hat. Erwartungen, die ich nicht erfülle und erfüllen kann. Was uns beide gleichzeitig unglücklich macht, auch wenn er es entweder noch nicht weiß, oder nicht zeigt.

Und die Asexualitätskiste steht da auch immer noch mitten drin. Ich schrecke vor der Nähe zurück, weil ich Angst habe, bei ihm das Bedürfnis nach mehr auszulösen, was ich auch wieder nicht erfüllen kann.

Kurz und knapp: wir können uns nicht geben, was wir jeweils brauchen. Wären es nur kleine Dinge, wäre das nicht so schlimm. Aber da es Bedürfnisse sind, die grundlegend in unseren Persönlichkeiten verwurzelt sind, dann passt es nunmal hinten und vorne nicht, und macht einfach unglücklich.

Der einzige Grund, der gegen ein Ende spricht, ist, dass ich ihn echt mag und nicht verletzen will. Aber es sollte klar sein, dass das auf lange Sicht einfach keine Basis für eine Beziehung ist, geschweige denn eine glückliche.

Jetzt muss ich nur noch irgendwie den Ort, die Zeit, und die Überwindung finden, oder? Kann ich jemanden dafür bezahlen?

 

 

Titel aus „Nenn mich nicht Jenny“ von Jennifer Rostock